Wissen : 2. Ein Komponist mit besonderer Note

Was macht ein junger französischer Komponist im 19. Jahrhundert, dessen Werke die Opéra einfach nicht spielen will? Er versucht, sich über den Hintereingang Zutritt zu verschaffen, er tingelt durch die Salons von Adel und Großbürgertum, bis sich eine Gönnerin findet - in diesem Fall eine in die Jahre gekommene Diva, die dem aufstrebenden Künstler immerhin die Aufführung eines Oratoriums organisiert: Er schreibt "Eve", eine Version des Sündenfalls ganz im Geschmack der Belle Époque, in der es einzig darum geht, wie die Frau Macht über den Mann erlangen kann: natürlich durch Verführung! Die wüste Bibel-Umdeutung öffnet ihm schließlich doch die Pforte des Musentempels. Auch jetzt setzt er weiter auf schwüle Stimmungen, entführt sein Publikum zuerst ins exotisch-erotische Indien, und deutet dann, lange vor Richard Strauss, Salome als triebgesteuertes Girlie, wird dafür fast exkommuniziert. In den zwei Werken, die von ihm heute noch regelmäßig auf den Spielplänen stehen, huldigt der reifer gewordene Komponist allerdings der Femme fragile, der zartherzigen Liebenden, die aus gesellschaftlichen Zwängen letztlich ihren Tenor aber doch nicht kriegen darf. In beiden Fällen liegen den Libretti Schlüsselwerke bedeutender Schriftsteller zugrunde. Seinen letzten großen Erfolg feiert er gar mit einer Vertonung jenes spanischen Buches, das die Gattung "Roman" begründete. Ob er nach seinem Tod 1912 ins Paradies kam? Einen Platz im Opernolymp jedenfalls hat sich dieser durch und durch pariserische Maitre redlich verdient.