20 Jahre Ächtung durch die EU : "Es war richtig, das Klonen zu verbieten"

Vor zwanzig Jahren ächtete die EU das Klonen von Menschen. Ein Gespräch mit dem Klon-Pionier Eckhard Wolf über dieses Verbot - und warum es bei Tieren anders ist.

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Eine pluripotente Stammzelle. Mit deren Entdeckung ist das "therapeutische Klonen" aus dem Blickfeld geraten.
Eine pluripotente Stammzelle. Mit deren Entdeckung ist das "therapeutische Klonen" aus dem Blickfeld geraten.Foto: imago/Science Photo Library

Als 1996 das Klonschaf Dolly das Licht der Welt erblickte, war die Angst bei Kritikern groß, dass bald auch genetisch identische Menschen im Labor erzeugt werden könnten. Als Reaktion darauf nahm der Europarat vor 20 Jahren ein Zusatzprotokoll für ein striktes Verbot des Klonens von Menschen an. Ein Gespräch mit dem Klon-Pionier Eckhard Wolf vom Gen-Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

War es richtig, das Klonen von Menschen zu verbieten?

Ja, das war absolut richtig. Es ist falsch, Menschen für bestimmte Zwecke zu generieren. Das ist anders, wenn wir über Tiere reden. Wir nutzen Tiere, und es gibt Anwendungsbereiche, in denen Klonen den Erkenntnisgewinn steigern kann. Beim Menschen hat das aus meiner Sicht eine andere Dimension.

Welche Rolle spielt das „therapeutische Klonen“, bei dem menschliche Embryonen erzeugt werden, um daraus die begehrten Stammzellen zu gewinnen?

Mit der Entdeckung der induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) ist das „therapeutische Klonen“ etwas aus dem Fokus geraten. Das sind Körperzellen, die im Labor zu Stammzellen umprogrammiert werden. Studien haben aber gezeigt, dass die iPS sich doch von embryonalen Stammzellen unterscheiden. Insgesamt war der Fortschritt in diesem Bereich nicht so rapide, wie man sich das erhofft hat. Der große Vorteil ist, dass es sich dabei um menschliche Zellen handelt. Aber was die therapeutischen Ansätze anbelangt, sind diese nach meiner Kenntnis bislang eher limitiert.

Hat das Verbot des Klonens am Menschen die Forschung behindert?

Bei Wissenschaftlern, die mit humanen Stammzellen geforscht haben, könnte das durchaus ein Nachteil gewesen sein. Die meisten Arbeitsgruppen haben sich jedoch mit Stammzellen aus Embryonen beschäftigt, die nicht geklont waren. Unsere Arbeit hat das Verbot ohnehin nicht behindert, da wir an Tieren forschen.

Wie setzen Sie das Klonen bei Tieren ein?

Durch Klonen waren erstmals gezielte genetische Modifikationen auch bei Großtieren möglich. Die eigentliche genetische Veränderung wird dabei nicht an Embryonen durchgeführt, sondern in kultivierten Zellen. Erst wenn man in der Zelle die gewünschte genetische Änderung erreicht hat, nutzt man einmalig das Klonen, um aus dieser Zelle ein Tier zu generieren. Meist lassen sich diese Tiere danach ganz normal über geschlechtliche Fortpflanzung vermehren.

Grasen also geklonte Nutztiere auf unseren Feldern?

Nein, in der praktischen Tierzucht spielt das Klonen in Europa keine Rolle. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum das Europaparlament bis vor Kurzem versucht hat, ein Verbot des Klonens auch in der Nutztierzucht herbeizuführen. So ein Verbot würde nicht nur die geklonten Tiere einschließen, sondern auch deren Nachkommen. In Ländern wie den USA wird jedoch geklont, Tiersperma wird weltweit gehandelt. Man kann aber nicht unterscheiden, ob das gehandelte Sperma vom Original oder vom Klon kommt. Man könnte den Verstoß also gar nicht nachweisen. Außerdem könnte ein Verbot sinnvolle Anwendungen verbauen.

Eckhard Wolf, Professor für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie am Genzentrum der LMU München.
Eckhard Wolf, Professor für Molekulare Tierzucht und Biotechnologie am Genzentrum der LMU München.Foto: LMU

Welche Anwendungen meinen Sie?

In den USA ist es einer Arbeitsgruppe durch die Verbindung von Klonen und der Genome-Editing-Technik CRISPR gelungen, hornlose Rinder zu generieren. Mit der zunehmenden Stallhaltung müssen heute viele Rinder mechanisch enthornt werden. Der genetische Ansatz hingegen ist völlig schmerzfrei. Eventuell könnte so ein Ansatz auch auf Resistenzen gegen bestimmte Krankheiten übertragen werden.

Wie setzen Sie das Klonen an Ihrem Institut ein?

In der Biomedizin, hauptsächlich an Schweinen. Wir wollen damit die Lücke zwischen Mausmodellen und klinischen Studien an Menschen überbrücken. Wir forschen beispielsweise an genetischen Grundlagen von Diabetes, Muskeldystrophie und Mukoviszidose. Man könnte das auch ohne Klonen machen, aber es wäre viel schwieriger und würde einen höheren Tierverbrauch bedeuten, weil wir Embryonen gewinnen müssten.

Wird Klonen weiter eine Rolle spielen?

Beim Menschen hat es noch nie eine Rolle gespielt, und das ist auch gut so. In der Tierzucht aber wird die Technik aufgrund ihrer Vorteile und Perspektiven weiterhin eingesetzt werden.

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