20. Jubiläum : Die Helmholtz-Gemeinschaft will nicht nur groß sein

Großgeräte und große Themen sind die Spezialität der Helmholtz-Gemeinschaft. Ihr neuer Präsident Otmar D. Wiestler setzt nun auf Spitzenforschung

von
Großes Thema. Forscher am Helmholtz-Zentrum Geesthacht forschen am Auto der Zukunft aus Magnesium.
Großes Thema. Forscher am Helmholtz-Zentrum Geesthacht forschen am Auto der Zukunft aus Magnesium.Foto: Christian Schmid/HGF

„Groß denken – groß handeln“ heißt das Motto der Helmholtz-Gemeinschaft laut ihrem Präsidenten Jürgen Mlynek. Am 20. Jubiläum der Forschungsorganisation passt es so gut wie nie zuvor. Die Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren (HGF) betreibt nicht nur „big science“, also Forschung im großen Stil. Sie ist auch so groß wie nie zuvor. Allein in den vergangenen zehn Jahren von Mlyneks Amtszeit hat sie ihr Budget fast verdoppelt, auf 3,9 Milliarden Euro jährlich. Die Zahl der Mitarbeiter in den inzwischen 18 HGF-Zentren stieg von 25 000 auf 38 000. Der Physiker Mlynek, der sein Amt im September an den Krebsforscher Otmar D. Wiestler übergibt, betrachtet die HGF als „Dachorganisation“ der deutschen Wissenschaft. Sie sei bestens für ihre großen Aufgaben gewappnet, wie Mlynek am Mittwoch in Berlin erklärte: „Helmholtz ist die dynamischste Wissenschaftsorganisation. Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden.“

Die HGF ist sichtbarer geworden, sagt ihr Präsident Jürgen Mlynek

Die Helmholtz-Gemeinschaft, benannt nach dem Berliner Naturwissenschaftler Hermann von Helmholtz (1821–1894), ging 1995 aus der „Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen“ hervor, die ihrerseits 1970 aus dem „Arbeitsausschuss für Verwaltungs- und Betriebsfragen der deutschen Reaktorstationen“ (gegründet 1958) entstanden war. Die Aufgabe der HGF ist es, Wissenschaftlern Forschung an Großgeräten zu ermöglichen. Außerdem soll sie zur Beantwortung nationaler Fragen beitragen, nämlich auf den Feldern Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Materie, Schlüsseltechnologie sowie Luft- und Raumfahrt und Verkehr. Dabei sei die HGF in seiner Amtszeit „sichtbarer“ geworden, sagte Mlynek. Und sie habe sich in neuartiger Weise für den wissenschaftlichen Nachwuchs engagiert, und zwar von der Kita an. Die HGF initiierte das frühpädagogische „Haus der kleinen Forscher“, richtete Schülerlabors ein und schuf neue „Helmholtz Junior Research Groups“, in denen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit guten Chancen auf eine Professur forschen (tenure track).

"Wir möchten absolut zur internationalen Spitze gehören"

Otmar D. Wiestler sagte, es gehe nicht allein um Größe: „Wir möchten in dem, was wir tun, auch absolut zur internationalen Spitze gehören.“ So habe das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, das Wiestler seit 2004 leitet, in nur sechs Jahren zwei Nobelpreisträger hervorgebracht. Das DKFZ habe seine Größe in zehn Jahren verdoppelt. „Aber am Ende des Tages geht es immer nur um Köpfe. Die Zentren müssen so attraktiv sein, dass die Besten an die HGF kommen.“ Die Max-Planck-Gesellschaft sei zwar herausragend in der Grundlagenforschung. Doch die HGF sei „groß genug, um alle Teile der Innovationskette abzudecken“, von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung.

In der Medizin fehlten ihr leider Kliniken, also Patienten, um mit der internationalen Konkurrenz mitzuhalten. Darum gehe man enge Kooperationen mit Uniklinika ein, wie am Heidelberger Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), das die Bundesregierung „erheblich ausbauen“ wolle. Dann sollten auch die TU Dresden und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf einbezogen werden. In seiner Amtszeit werde sich die HGF noch stärker auf den Feldern Gesundheit, Energie und Informationstechnologie betätigen, kündigte Wiestler an.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben