Wissen : 3. Eine religiöse Frau, die die Natur beobachtete

Ihre Mutter hatte es bereits zu Lebzeiten zu Berühmtheit gebracht, auch wenn sie um Anerkennung kämpfen musste und zunächst mit der Unterschrift des eigenen Vaters ihre Werke signierte. Wie es sich für einen damaligen Familienbetrieb gehört, trat auch die jüngste Tochter in das Unternehmen ein, nachdem sie das Handwerk des Zeichnens und Kolorierens erlernt hatte. Da die ältere Schwester bereits verheiratet war, lag es bei ihr, die bereits 52-jährige Mutter auf ihre große Reise nach Surinam zu begleiten. Ein Abenteuer zur damaligen Zeit. Doch für die unbeirrbaren Reisenden war es das Paradies. Hier konnten sie vor Ort die herrlichsten Pflanzen, das wundersamste Getier studieren, das sie sogleich für ihre späteren Zeichnungen präparierten, weil in den tropischen Temperaturen ansonsten alles sofort verwelkte und faulte. Zwei Jahre später reisten die beiden Pionierinnen schweren Herzens wieder heim nach Amsterdam; eine Malariaerkrankung der Mutter hatte die Rückkehr erzwungen. Dort begannen sie sofort an einer Publikation der Tier- und Pflanzenwelt Surinams zu arbeiten, ein Prachtband, der den mütterlichen Ruhm endgültig festigen sollte. Selbstlos stellte sich die Tochter weiterhin in deren Dienst und vollendete nach dem Tod der Mutter den dritten Teil des Raupenbuchs. Erst in jüngster Zeit tritt auch ihre Leistung zunehmend hervor, obwohl sie stets mit dem Namen der Mutter signiert hatte. Schließlich war die Bekanntheit der Frau Mama, einer mittlerweile weithin anerkannten Naturwissenschaftlerin, das stärkste Verkaufsargument, ihr Name diente als Firmenlabel.