30 Jahre Deutsches Herzzentrum Berlin : Umstritten und erfolgreich

Das Herzzentrum ist bekannt für die Operationen am offenen Herzen oder das "Kunstherz". Der neue Chef, Volkmar Falk, setzt eigene Akzente, etwa mit einem Biokunstherz und Schlüsselloch-Operationen.

Justin Westhoff
Rettend. Am DHZB gab es bisher mehr als 100 000 Herz-Operationen.
Rettend. Am DHZB gab es bisher mehr als 100 000 Herz-Operationen.Foto: T. Kleinschmidt, p-a, dpa

Die Gründung wurde einerseits bejubelt, andererseits war sie umstritten: Emil Bücherl, damals Berlins bekanntester Herzchirurg, gab kund: „Sachverstand ist nicht gefragt“ – und trat aus der Berufungskommission für den künftigen Chef des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) zurück. Der Akademische Senat der Freien Universität bezeichnete eine zweite Herzchirurgie in Berlin als bedenklich. Die Vorstellung, es kämen viele Medizintouristen aus Westdeutschland und dem Ausland, sei außerordentlich unsicher. Die Gewerkschaft ÖTV sprach von Fehlplanung.

Der Gegenwind bremste das Herzzentrum nicht aus. Am 29. April 1986 wurde es in Form einer Stiftung und mit gesicherter Finanzierung offiziell eröffnet, es kamen prominente Redner wie Richard von Weizsäcker. Die Leitung übernahm Roland Hetzer, zuvor Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Das Zentrum machte Schlagzeilen - positive und negative

Seit 30 Jahren sorgt das Zentrum nun für Schlagzeilen, mitunter negative, oft positive. Abteilungen wie die Kardiologie und später die Kinderstation standen dabei weniger im Zentrum des Interesses als Operationen am offenen Herzen wie der Klappenersatz, Bypässe und vor allem die Transplantationen. Ein Jahr nach Gründung hatten die Chirurgen bereits 100 Organe verpflanzt. Das DHZB stieg in die weltweite Spitzenliga auf, jedenfalls quantitativ.

Es gab jedoch auch Vorwürfe: mindestens eine tödliche Panne, Kardiologen aus anderen Kliniken bezweifelten die gemeldeten Erfolgsraten. Zwischenzeitlich hatte das DHZB wirtschaftliche Schwierigkeiten. Und zuletzt stand der Verdacht im Raum, es habe Manipulationen bei der Organvergabe gegeben – wie in mehreren deutschen Transplantationszentren.

Traum vom künstlichen Herzen

Spenderherzen sind rar, Hetzer arbeitete daher weiter am „Kunstherzen“. Das erste in Deutschland hatte 1986 Bücherl eingesetzt. Inzwischen können die „Überbrückungspumpen“ durchaus erfolgreich arbeiten, bis sich das Herz erholt hat oder ein Spenderorgan gefunden ist. Aber der Traum vom dauerhaften künstlichen Herzen ist noch nicht wirklich realisiert.

Bis heute wurden im Deutschen Herzzentrum Berlin deutlich über 100 000 Operationen am Herzen vorgenommen. Roland Hetzer, der im Oktober 2014 in Ruhestand ging, hat bis dahin internationale Ehrendoktorwürden und das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen.

Unter seinem Nachfolger Volkmar Falk dürfte die Erfolgsgeschichte des DHZB weitergehen. Der Herzchirurg führt einerseits das Berliner Kunstherzprogramm weiter. Andererseits setzt er eigene Akzente. So erforscht er ein verträglicheres Biokunstherz, setzt auf schonendere Schlüsselloch-Operationstechniken und Stammzellreparaturen. Gleichzeitig kooperiert das Herzzentrum enger als bisher mit der Charité, nicht nur weil Falk ebenfalls Charité-Chef für Herzchirurgie ist.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben