Wissen : 4. Eine engagierte Professorin

Sie kämpfte einen Kampf, der bis heute nicht gewonnen ist: Dieser Frau ging es – als sie selber ein Professorenamt erreicht hatte und sogar Vizepräsidentin ihrer Universität wurde – um mehr. Die Philosophin wollte nicht die Ausnahme- und Vorzeigefrau in der akademischen Welt bleiben, sondern die männerbündischen Mechanismen durchbrechen, die zu einem verschwindend geringen Frauenanteil unter den Professoren führten – und führen. Der Gesuchten selber hat es zumindest am Anfang ihrer Karriere nicht an Förderung durch etablierte männliche Kollegen gefehlt: Sie promovierte bei einem berühmten, in der Nachkriegszeit allerdings wegen seines politischen Engagements umstrittenen deutschen Philosophen, der sie dann einem Berliner Kollegen als Assistentin ans Herz legte.

Ihr eigener Name hatte nicht nur wegen ihrer philosophischen Arbeiten, ihres Engagements in der Lehre und ihres hochschulpolitischen Engagements einen großen Klang: Sie entstammte einer alten katholischen Familie von Großkaufleuten, Dichtern und Politikern. An ihrer Universität, die vor ihr und nach ihr noch viele „politische Professoren“ hervorbringen sollte, traf sie auch ihren späteren Mann, einen profilierten Religionssoziologen und Judaisten. Vor einigen Jahren erhielt die Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin aus Tel Aviv ihren Nachlass. Heute ist nach ihr ein Preis benannt, der an Wissenschaftlerinnen verliehen wird, die es ihr nachtun. In diesem Jahr wurde eine türkische Frauenrechtlerin ausgezeichnet.

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