400 JAHRE SONNENFLECKEN : Schwarze Tropfen, eitle Forscher

Im Sommer 1612 hat Galileo Galilei spektakuläre Ergebnisse vorzuweisen. Er hat die Sonne mit einem Teleskop ins Visier genommen – und Flecken auf der Sonne entdeckt. Allerdings ist er damit nicht der Erste.

Auch jenseits der Alpen macht man von dem soeben erfundenen Fernrohr Gebrauch. Der Jesuit Christoph Scheiner aus Ingolstadt hat seine Beobachtung „schwarzer Tropfen“ auf der Sonne sorgfältig dokumentiert. Scheiner vermutet, dass es sich um Schatten handelt, die durch kleine Himmelskörper hervorgerufen werden, die vor der Sonne herziehen. Dass die Flecken etwas mit der Sonne selbst zu tun haben, schließt er aus. Denn die Sonne gilt als vollkommen ebenmäßig.

Galilei ist ein geübter Zeichner. Wo Scheiner scharf umrandete Objekte sieht, die seiner Vorstellung von Himmelskörpern genügen, malt Galilei die geheimnisvollen Flecken in ihrer ganzen Feinstruktur. Einige Flecken seien tiefschwarz, andere weniger dunkel, schreibt er am 23. Juni 1612 an Johannes Kepler. Manche verdichteten sich zunächst, zerfielen dann aber wieder.

Galileis kunstvolle Miniaturen zeigen, wie die Flecken über die Sonnenscheibe wandern, sich zum Sonnenrand hin verkürzen und verschwinden. Einige blieben 20 oder 30 Tage erhalten. Und sie folgten der Rotation der Sonne. Galilei erkannte die Dynamik der Sonne wohl als Erster. Der hitzköpfige Florentiner behauptete jedoch, lange vor Scheiner mit seinen Studien angefangen zu haben. Den Beginn datierte er immer weiter zurück und bezeichnete den Konkurrenten schließlich als „Schwein“ und „Esel“ – eine von vielen hässlichen Auseinandersetzungen seiner Karriere. tdp

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