Wissen : 5. Eine Künstlerin mit vielen Gesichtern

Ihr Vorname ist in ihrem Heimatland eher ungewöhnlich, er klingt sehr nach Wagner-Oper. Ihr Nachname wiederum wurde weltberühmt. Aber dass er im Titel eines berühmten Stücks Weltliteratur vorkommt (und nahezu sprichwörtlich geworden ist), liegt nicht an ihr, sondern daran, dass der Autor mit ihrem Bruder befreundet war und sich den Namen für seine Erzählung lieh. Bei den "Grünfingern" aber ist auch sie berühmt geworden; fast achtzig Jahre nach ihrem Tod im Alter von 89 Jahren ist sie eine Ikone der Gartenliebhaber aller Länder. Als junge Frau hatte sie mit dem Gärtnern wenig am Hut, denn sie war eine talentierte Malerin und Stoffdesignerin. Doch ihre starke Kurzsichtigkeit behinderte sie zu sehr bei diesen Arbeiten. So tauschte sie Pinsel und Zeichenstift gegen Hacke und Schaufel. Als Gartengestalterin erwarb sie sich einen legendären Ruf, Teil der Arts-and- Crafts-Bewegung, die zwischen 1880 und 1920 stilbildend war. Dem formalen, strengen viktorianischen Gartenideal setzte sie, inspiriert von der ungezähmten Üppigkeit ländlicher Bauerngärten, "impressionistisch" wirkende Gartengemälde entgegen, mit mal subtilen, mal kühnen Farbkontrasten in den prächtigen Blumen- und Staudenrabatten, für die ihr Name bald stand. Für mehr als 400 Gärten gestaltete sie die Bepflanzung. Sie selbst war eine eher dornige Kreatur, kratzbürstig, auch autoritär und von matronenhafter Selbstgewissheit. Geheiratet hat sie nie, doch mit einem (auch weltberühmten) Architekten bildete sie eines der großen Künstlerduos ihres Landes. Sie skizzierte die Gärten zu vielen Häusern, die er entwarf - ihr eigenes Heim eingeschlossen, um das herum sie sich ihren Garten Eden schuf.