50 Jahre Seti : Lauschen ins All

Seit 50 Jahren suchen Wissenschaftler nach Außerirdischen.

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Horchposten. Mit dem Allen-Telescope-Array durchforsten die Seti-Forscher das Universum nach markanten Signalen. Der Teleskopverbund ist benannt nach dem Microsoft-Gründer und großzügigen Spender Paul Allen. Foto: Reuters
Horchposten. Mit dem Allen-Telescope-Array durchforsten die Seti-Forscher das Universum nach markanten Signalen. Der...

Ist da wer? Diese Frage stellen sich Menschen seit Jahrtausenden, wenn sie in den Sternenhimmel blicken. Und ebenso lange suchen sie nach Zeichen, die außerirdische Wesen von sich geben oder vielleicht bei einer Landung auf unserem Planeten hinterlassen haben. Vor 50 Jahren begann eine neue Ära bei der Fahndung nach fremden Zivilisationen, das „Seti“-Programm. Die Abkürzung steht für „Search for Extraterrestrial Intelligence“ und ist ein Sammelbegriff für wissenschaftliche Projekte, mit denen handfeste Beweise für die Existenz Außerirdischer gesammelt werden.

Im April 1960 startete der amerikanische Astrophysiker Frank Drake das erste „Seti“-Experiment. Er richtete ein Radioteleskop des Green-Bank-Observatoriums in West Virginia auf die Sterne „Tau Ceti“ und „Epsilon Eridani“ und zeichnete die Signale auf, um sie später nach Auffälligkeiten zu durchforsten. Zwar ohne Ergebnis, doch der Seti-Rausch hatte längst begonnen.

Anders als es der Blick in einen klaren Sternenhimmel vermuten lässt, ist das All keineswegs lautlos. Da draußen herrscht großer Krach. Auf den unterschiedlichsten Frequenzen des elektromagnetischen Spektrums jagen Signale durch den Raum. In diesem Rauschen suchen die Wissenschaftler nach regelmäßigen Signalen, oder besser: lassen suchen.

„Zwei bis drei Milliarden Frequenzen werden pro Stern abgehört“, sagt Klaus Strassmeier vom Astrophysikalischen Institut in Potsdam. „Dabei entsteht eine unglaublich große Datenmenge, die kann man nur mit speziellen Computerprogrammen auswerten.“ Eine Aufgabe der Software ist es, jene Regelmäßigkeiten herauszufiltern, die garantiert nicht von fremden Wesen stammen. „Auch kosmische Objekte geben periodische Signale ab“, sagt der Wissenschaftler und nennt als Beispiel Pulsare oder die Fünf-Minuten-Oszillation der Sonne. Damit wird die Eigenschwingung unseres Zentralgestirns bezeichnet, eine stehende Welle im Innern der Sonne. „Das kann man sich wie eine schwingende Gitarrensaite vorstellen“, sagt Strassmeier.

Manche verdächtige Signale haben allerdings einen irdischen Ursprung. So habe man ein wiederkehrendes Signal gefunden, das unerklärbar war, manche waren schon ganz aufgeregt, berichtet Strassmeier. „Bis sich zeigte, dass in der Küche des Observatoriums ein schlecht isolierter Mikrowellenherd stand, der immer zu ähnlicher Zeit eingeschaltet wurde.“ Auch die Fernsteuerung für ein Garagentor wurde erst nach einigem Suchen als wahre Quelle vermeintlicher Alien-Sender identifiziert. Radios, Fernseher, selbst Signale der „Pioneer“-Sonde sorgten kurzzeitig für Aufregung. „Wir haben intelligentes Leben gefunden“, sagte damals der Radioastronom Richard Davis von der Universität Manchester. „Uns selbst“.

Kurz: Bis heute ist kein eindeutiger Nachweis für außerirdische Intelligenz erbracht worden. Das war wohl einer der Gründe, warum sich die US-Regierung aus der Finanzierung für das Vorhaben 1993 zurückgezogen hat. Seitdem wird es allein durch Spenden finanziert. Die kommen zum Beispiel von „E.T.“-Regisseur Steven Spielberg oder Microsoft-Gründer Paul Allen, der 13,5 Millionen Dollar für ein gutes Dutzend Radioantennen des „Allen-Telescope-Arrays“ aufbrachte. Im Endausbau soll das Gerätenetz 350 Antennenschüsseln umfassen. Außerdem müssen die 130 Mitarbeiter des privat finanzierten Seti-Instituts bezahlt werden. Dafür haben sich die Organisatoren beispielsweise die Kampagne „Adopt A Scientist“ ausgedacht.

Aber nicht nur Geldgeber sind gefragt. Seit 1999 lassen Unterstützer weltweit ihre Computer im Dienst der Alien-Suche rattern. Über das Internet erhalten sie Daten, die der Rechner in Arbeitspausen auf verdächtige Signale scannt. Gut fünf Millionen Freiwillige sind bei „Seti@home“ beteiligt. Längst wird diese Form der Arbeitsteilung auch für andere wissenschaftliche Aufgaben genutzt. Etwa wenn es um Strukturberechnungen für komplexe Biomoleküle geht oder die Suche nach Gravitationswellen.

Neben dem automatisierten Ablauschen von Radiosignalen hat sich das optische Seti entwickelt. Dabei werden Signale im sichtbaren Licht beziehungsweise im Infrarotspektrum gesucht, unter der Annahme, dass fremde Wesen mit Hilfe starker Laser miteinander kommunizieren. „Die Überlegung erinnert mich an Joseph Johann von Littrow, der vor knapp 200 Jahren vorschlug, in der Sahara einen 30 Kilometer großen, kreisrunden Kanal zu graben und mit Paraffin zu füllen. Das sollte angezündet werden, um Außerirdische auf uns aufmerksam zu machen“, sagt Strassmeier. Vom optischen Seti jedenfalls hält er nichts, weil man schon großes Glück haben müsse, genau in den Strahl zu schauen, der obendrein auch stark genug sein muss, um selbst große Distanzen zu überwinden.

„Ich halte es aber generell für sinnvoll, auch optische Signale näher zu erforschen.“ Wie bei den Radiosignalen gebe es auch in diesem Frequenzbereich viele Signale, mit denen die Wissenschaftler noch nichts anfangen können. „Die muss man erst mal genauer untersuchen, um in der Fülle von Wellen die ,echten’ Botschaften ferner Zivilisationen zweifelsfrei identifizieren zu können.“

Dass es diese gibt, steht für den Potsdamer Forscher außer Frage: „Das Leben hat schon auf unserem Planeten so viele verschiedene Formen hervorgebracht, dass wir uns kaum vorstellen können, was noch möglich ist.“ Angesichts von 400 Milliarden Sternen in unserer Galaxie, von denen zahlreiche über ein Planetensystem verfügen könnten, wird es aus seiner Sicht mit Sicherheit auch anderswo intelligentes Leben geben.

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