Wissen : 6. Die Tochter eines Kaufmanns aus Bremen

Zeitlebens war sie als die Gattin des großen Dichters bekannt, auch wenn die Ehe nur wenige Jahre hielt. Seinen Namen hat sie mit ihrem eigenen auch nach der Trennung weiterhin stolz im Doppel getragen. Der hundertste Todestag ihrer berühmten Malerfreundin richtet nun erneut das Licht auch auf sie und ihr eigenes Werk. Geboren als Tochter einer Bremer Kaufmannsfamilie, machte sie sich die Entscheidung nicht leicht, den Beruf des „Bildhauers“ zu ergreifen. Den Begriff Bildhauerin gab es um die Jahrhundertwende noch nicht, der Zugang zu den Akademien, dem anatomischen Unterricht blieb den Adeptinnen ebenfalls verwehrt. Die angehende Künstlerin ließ sich davon nicht irritieren und nahm stattdessen privat Unterricht.

Als 21-Jährige kam sie ins Leipziger Atelier von Max Klinger, der sie als Aufnahmeprüfung aus einem Marmorblock eine Hand skulptieren ließ. Die Novizin bestand den Test. Eine weitere Leitfigur sollte für sie Auguste Rodin werden. Bei ihrem Parisaufenthalt machte sie ihn mit ihrem künftigen Ehemann bekannt, eine folgenschwere Begegnung. Der jungen Bildhauerin verwehrte er jedoch später, eine Porträtbüste von ihm zu schaffen. Zu ihren bekanntesten Werken sollte stattdessen die Büste des berühmten Ehemanns werden, mal wieder. Sein Andenken hat sie ihm immer hoch bewahrt, auch wenn er sie am Ende nicht mehr an sein Krankenbett ließ. Ihr Hang zur Religionsgemeinschaft „Christian Science“ war ihm ein Graus. Sein Hausspruch ziert bis heute das Domizil in einem beschaulichen Örtchen unweit ihrer Heimatstadt, in das sie 1919 mit ihrer gemeinsamen Tochter zog.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben