Wissen : 8. Ein Kaufmann, der Buchstaben produzierte

Aufgewachsen ist er in einem christlich-frommen Elternhaus. Er ist das älteste von neun Kindern. Der Vater ist ein einflussreicher Unternehmer, leitet eine Baumwollspinnerei. Sein größter Wunsch: Der Sohn soll in seine Fußstapfen treten, später die Firma übernehmen. Aber der Junge hat andere Interessen. Er begeistert sich für die Philosophie. Während er in Bremen eine kaufmännische Ausbildung beginnt und in Berlin seinen Militärdienst ableistet, belegt er erste Seminare an der Universität. Lange hält es ihn nicht in preußischen Stuben: Mit 22 Jahren geht er auf Reisen. Er lebt, wo es gerade passt - irgendwo zwischen Manchester, London, Paris und Brüssel.

Der Kaufmann führt ein einfaches Leben, er ist knapp bei Kasse. Ohne wohlhabende Gönner wäre er aufgeschmissen. Sein erster großer Auftritt folgt sechs Jahre später: Zusammen mit einem Freund aus dem Ruhrgebiet veröffentlichte er einen Band mit gesammelten Schriften, von denen vorher nur ein paar Zeilen in einer Kölner Zeitung erschienen. Das Werk ist umstritten - doch der junge Mann lässt sich nicht einschüchtern. Er schreibt. Seine Artikel werden in den Vereinigten Staaten von Amerika gedruckt, später auch seine Bücher. Mit Mitte 40 verkauft er seine Firmenanteile an der Baumwollspinnerei - und ist reich. Als er stirbt, ist er 75 Jahre alt. Seine Texte sorgen noch heute für Furore.

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