Wissen : 9. Eine nicht standesgemäße Partie

Sie lebte an der Seite eines Genies, das verrückt war nach ihr. So verrückt, dass dieser Mann mittleren Alters alle Konventionen verletzte und grob gegen das Empfinden seiner Zeitgenossen verstieß, als er jahrelang mit ihr ohne Trauschein lebte. Sie hat das hingenommen, weil sie wusste, dass sie nicht standesgemäß war. Sie wollte einfach nur bei ihm sein. Es war ihr ein Graus, wenn er reiste oder monatelang woanders lebte. Immer wieder hat sie ihm gesagt, dass ohne ihn doch alles nichts sei.

Aber nach einiger Zeit hat ihn das nicht mehr von seinen eigenen Vorhaben abgehalten. Er wollte schreiben, schaffen, mitmischen. Und das hat er dann auch getan, hat es zu weltweiter Berühmtheit gebracht als Dichter. Sie war stolz auf ihn, sie hat sich um alles gekümmert, um ihm eine Hilfe zu sein, sie hat klaglos hingenommen, dass sie immer wieder schwanger wurde, und doch nur ein Kind überlebte. Irgendwann hat er sie unvermittelt geheiratet. Keiner weiß heute mehr zu sagen, woher der Sinneswandel plötzlich kam; es hatte vielleicht mit dem Einmarsch der Truppen Napoleons in dem deutschen Städtchen zu tun, in dem sie mit ihrem Genie lebte.

Er hat sie „liebes Kind“ genannt, weil er so viel älter war; sie war sein „Hausschatz“. Aber später wollte er nicht einmal mehr neben ihr begraben sein.

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