Abschied vom G8 : Bayern beschließt Rückkehr zum Abitur in 13 Jahren

CSU-Fraktion im bayerischen Landtag beschließt die Rückkehr zum G9. Umstritten ist das Turbo-Abitur in vielen Bundesländern. Ein Überblick.

Eine Frau streicht den Schriftzug G8 auf einer Tafel durch, daneben ist eine Tafel mit dem Schriftzug G9 zu sehen.
Rolle rückwärts. Bayern will zum Schuljahr 2018/19 zum G9 zurückkehren.Foto: Armin Weigel/dpa

Bayern kehrt zum neunjährigen Gymnasium zurück. Das hat die CSU-Fraktion am Mittwoch in München beschlossen, wie die Nachrichtenagentur dpa am Abend berichtete. Start der Reform soll zum Schuljahr 2018/19 sein, für die Klassenstufen fünf und sechs. Die jetzigen Viertklässler, die im Herbst aufs Gymnasium wechseln, werden also der erste Jahrgang des neuen G9 sein.

Grundsätzlich sollen Abiturienten in Bayern künftig wieder bis zur 13. Klasse lernen. Für besonders Begabte ist aber eine „Überholspur“ vorgesehen, auf der sie in acht Jahren zum Abitur gelangen – mit einer zweijährigen Vorbereitung auf das Überspringen vorzugsweise der 11. Klasse und Zusatzunterricht am Nachmittag.

Mehr Pflichtstunden - und weniger Nachmittagsunterricht

Zur Kritik am G8 gehört, dass die Lernzeit in den Kernfächern nicht mehr ausreiche. Bayern will nun 18 Wochenstunden zusätzlichen Pflichtunterricht erteilen und dabei auch die digitale und die politische Bildung stärken. In der „neuen“ Jahrgangsstufe 11 soll „vorwissenschaftlich“ gelernt sowie Studien- und Berufsorientierung vermittelt werden. Der Nachmittagsunterricht wird reduziert. Damit haben Bayerns Gymnasiasten wieder mehr Zeit für Hobbies und Vereine – eine zentrale Forderung der G8-Gegner.

Für den bevorstehenden Ausbau bekommen die Gymnasien nach und nach 1000 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte. Zum am Mittwoch beschlossenen „Bildungspaket“ gehören auch 800 neue Stellen für andere Schularten, etwa für berufliche und Förderschulen.

Seehofer: Historische Generationen-Entscheidung

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bezeichnete das gesamte Bildungspaket als historische "Generationen-Entscheidung". "Ich glaube, dass das, was wir jetzt machen, Signalwirkung für ganz Deutschland haben wird", sagte er. Im weiteren Verfahren werde es nun darum gehen, "das politisch Gewollte auch bestens umzusetzen". Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte zu dem Reformpaket: "Das ist jetzt etwas, was für ein Vierteljahrhundert trägt."

Bayern ist nicht das erste Land, das sich vom G8 verabschiedet. Und auch dort, wo daran festgehalten wird, mehren sich parallele G9-Angebote. Ein Überblick über den Flickenteppich.

Quelle: Tsp/Schmidt

Turbo-Abitur für fast alle
Aus dieser Gruppe will sich Bayern verabschieden, dann bleiben vier ostdeutsche Länder unter sich. Im Osten, außer in Brandenburg, wird das Abitur traditionell in der 12. Klasse abgelegt. Das geht auf die DDR-Zeit zurück, wobei Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt Anfang der 90er Jahre zwischenzeitlich zum damaligen bundesweiten Standardabitur in der 13. Klasse gewechselt waren. Doch auch im Osten gibt es Auswege: An Berufs- oder Fachgymnasien wird ein Jahr länger gelernt. Öffentlich gestritten wird über das ostdeutsche Turbo-Abitur derzeit in Mecklenburg-Vorpommern. Der Philologenverband nimmt das Vorbild Bayerns zum Anlass, Druck auf Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) zu machen.

G8 am Gymnasium, G9 anderswo
In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie in Brandenburg und im Saarland haben Eltern und Schüler die Wahl, in welchem Tempo gelernt wird. An Gymnasien gilt die verkürzte Schulzeit, an anderen Schulformen wie den Sekundar- und Oberschulen, Gemeinschafts- und Gesamtschulen wird das Abitur in der 13. Klasse abgelegt. Trotzdem regt sich mancherorts Widerstand gegen das G8 am Gymnasium. In Hamburg scheiterte 2014 ein Volksentscheid. Im Saarland ist die SPD-Forderung nach dem Abitur der zwei Geschwindigkeiten auch am Gymnasium mit dem Wahlsieg der CDU vom Tisch.

Zwei Wege am Gymnasium
Zu den Ländern, in denen die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 auch an Gymnasien schon Realität ist, gehören Hessen und Nordrhein-Westfalen. In Hessen entscheiden seit 2013 die Schulkonferenzen, ob sie das Abitur in der 12. oder 13. anbieten, einige dürfen beide Wege parallel anbieten. In NRW gilt weiterhin das G8, aber es gibt Modell-Gymnasien mit längerer Schulzeit. Seit Februar läuft gleichzeitig mit dem Landtagswahlkampf ein Volksbegehren, dessen Initiatoren das Turbo-Abi ganz abschaffen wollen.

Bis zum 7. Juni kann in kommunalen Verwaltungen und auf Unterschriftenlisten für den Wechsel votiert werden. Ein weiteres Land dieser Gruppe ist Schleswig-Holstein, wo das G8 an Gymnasien vorherrscht, aber einige G9-Gymnasien „Bestandsschutz“ haben. Hier ist die CDU mit einer vollständigen Rückkehr zur längeren Schulzeit in den aktuellen Wahlkampf gegangen. In Baden-Württemberg steht Grün-Schwarz zum G8, seit 2012/13 ermöglicht aber ein Modellversuch G9 an 44 Gymnasien.

Abi nach 12,5 Jahren
Eine Sonderrolle spielt Rheinland-Pfalz. Hier wurde das G8 nie flächendeckend eingeführt. Stattdessen lernen die Gymnasiasten fast durchgehend 12,5 Jahre bis zum Abitur. Die verkürzte Schulzeit wird lediglich im Rahmen eines Modellversuchs an 19 gebundenen Ganztagsgymnasien angeboten.

Abschied vom Turbo-Abitur
Von den Ländern, die nach der Jahrtausendwende das Turbo-Abitur eingeführt haben, ist zuerst Niedersachsen mit dem Schuljahr 2015/16 vollständig zum G9 zurückgekehrt – mit einer G8-Option für Leistungsstarke. Bayern will zum Schuljahr 2018/19 folgen.

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