Adipositas : Ein Antikörper gegen Fett und Diabetes

20.12.2012 00:00 UhrVon Melanie Estrella
Süß und fettig. Zu Weihnachten achtet wohl niemand auf Kalorien. Foto: ddp
Süß und fettig. Zu Weihnachten achtet wohl niemand auf Kalorien. - Foto: ddp

Es ist jedes Jahr das gleiche Spiel: Zu Weihnachten wird süß und fett gegessen, am Jahresanfang verordnet man sich Sport und eine Diät. Zumindest für extrem fettleibige Menschen könnte es in einigen Jahren einen zusätzlichen Abnehm-Assistenten geben. Bei Affen funktioniert das schon.

Wissenschaftler um Yang Li vom kalifornischen Biotechnologieunternehmen Amgen berichteten im Fachblatt „Science Translational Medicine“ von einem neuen Antikörper, der bei beleibten Affen gegen Fettsucht und Typ-2-Diabetes hilft.

Dass solch ein Mittel gebraucht wird, zeigt ein Blick in die Statistiken. Laut „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS) des RobertKoch-Instituts sind knapp ein Viertel der Deutschen stark übergewichtig (adipös). Bei manchen steigt zum Beispiel der Blutdruck, andere entwickeln eine Resistenz gegen Insulin. So entstehen Herzkreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes.

Kalorien auf Dauer zu reduzieren, fällt jedoch vielen Menschen schwer. Effektive Medikamente sind Mangelware. In den USA dürfen Ärzte zwar zum Beispiel seit diesem Sommer stark übergewichtigen Patienten die Präparate Belviq und Qsymia verschreiben. Beide wirken auf das Gehirn und zügeln den Appetit. Die Patienten können so drei bis neun Prozent ihrer Pfunde verlieren. Doch dieser kleine Erfolg ist mit etlichen Nebenwirkungen erkauft, darunter Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden und Depressionen. Vielversprechender erscheint es bislang, Antikörper herzustellen. Sie docken an den Rezeptoren von Hormonen an, die den Stoffwechsel steuern, und ahmen so deren Wirkung nach.

Yang Li und seine Kollegen vom Biotechnologiekonzern Amgen stellten nun einen monoklonalen menschlichen Antikörper her, der die gleichen Fähigkeiten wie der körpereigene Wachstumsfaktor FGF21 hat. Gibt man diesen Stoff, zügelt das nicht den Appetit, sondern regt den Körper dazu an, mehr Fett zu verfeuern. Außerdem sinken durch ihn Blutzucker- und Blutfettwerte, die Insulinempfindlichkeit dagegen steigt. Der Haken an künstlichem FGF21: Es wird viel zu schnell im Körper abgebaut.

Der neue Antikörper mimAb1 umgeht dieses Problem. Die Forscher injizierten den Antikörper zweimal im Abstand von zwei Wochen in übergewichtige Javaneraffen. Sie verloren Gewicht und ihre Blutfett- und Blutzuckerspiegel normalisierten sich. Die Effekte hielten bis zu fünf Wochen an – die Gewichtsabnahme sogar bis zu zwei Monate. Nebenwirkungen beobachteten Li und seine Kollegen keine.

Jetzt müsse bewiesen werden, dass der Antikörper auch beim Menschen erfolgreich und sicher ist, sagt Andreas Pfeiffer, Endokrinologe an der Charité und Ernährungsmediziner am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. FGF21 habe viele Funktionen im Körper. „Mögliche Nebenwirkungen könnten Osteoporose oder Unterfunktion von Hoden oder Eierstöcken sein“, sagt Pfeiffer. Sollten die Antikörper jedoch im Menschen funktionieren, könnten sie in fünf bis sieben Jahren auf den Markt kommen.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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