Afrika : Tödliches Elfenbein

Die Wilderei auf afrikanische Elefanten nimmt zu: 470 000 Tiere sterben jährlich.

Südafrika lässt unter Auflagen wieder Elefanten-Abschüsse zu
Bedrohte Art. In Afrika wurde nach 15 Jahren erstmals wieder offiziell die Jagd auf Elefanten erlaubt.Foto: dpa

108 Tonnen Elfenbein stehen in diesen Tagen in Afrika zum Verkauf, und zwar ganz legal. Bei einer Auktion – unter Ausschluss von Medien und Naturschutzverbänden – wurden am gestrigen Dienstag in Namibias Hauptstadt Windhuk Stoßzähne für umgerechnet knapp eine Million Euro an Bieter aus Japan und China versteigert. Drei weitere Auktionen sollen in den nächsten Tagen in Botsuana, Simbabwe und Südafrika folgen. Das Elfenbein stammt aus dem Bestand afrikanischer Umweltministerien. Möglich wurde der Handel durch eine Ausnahmegenehmigung der Artenschutzkonferenz „Cites“, denn grundsätzlich ist der Elfenbeinhandel seit 1989 weltweit verboten.

Das Elfenbein stammt von natürlich verendeten Elefanten und aus der offiziellen Jagd, die im Mai in Afrika erstmals seit 15 Jahren wieder erlaubt wurde. Grund dafür war der stark gewachsene Bestand in einigen Nationalparks, der zu einer Bedrohung für andere Tiere und die Vegetation geworden war – vor allem dort, wo die Elefanten den Lebensraum außerhalb der Parks nicht erschließen können, weil dort Menschen siedeln.

„Die Überbevölkerung bei Dickhäutern gibt es allerdings nur in wenigen Reservaten einzelner Länder, vor allem im Süden und Osten Afrikas“, sagt Christof Schenck, Leiter der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Andernorts seien die Elefanten weit von einer Überbevölkerung entfernt. In politisch instabilen Regionen, die nicht vom Safari-Tourismus leben, flamme die illegale Wilderei auf die Tiere schnell wieder auf. Dort sind sie weiterhin gefährdet. „Aus der Luft beobachtet die ZGF seit einiger Zeit, wie große Karawanen tonnenweise Elfenbein aus dem Osten des Kongo in Richtung Sudan transportieren“, sagt der Biologe. Auch in Simbabwe nehme die Elefantenwilderei wieder deutlich zu.

In Ländern wie Sambia und Botsuana ist der Naturtourismus längst eine wichtige Einnahmequelle. Diese könnte aber bald versiegen, warnt Samuel Wasser von der Universität von Washington. In einer Studie, die online im Fachjournal „Conservation Biology“ veröffentlicht wurde, hat er zusammen mit Kollegen die Situation der afrikanischen Steppenelefanten dargestellt. Acht Prozent der allenfalls noch 470 000 Tiere sterben demnach jedes Jahr im Kugelhagel von Wilderern. Auf dem Höhepunkt der Wilderei am Ende der achtziger Jahre lag diese Quote dagegen bei lediglich 7,4 Prozent – mit 70 000 Elefanten pro Jahr. Die Reaktion der Weltgemeinschaft war damals ein rigoroses Handelsverbot für Stoßzähne. Diese Maßnahme wirkte praktisch schlagartig, sagt Rod Tether, der in Sambia im North Luangwa Nationalpark das kleine Safari-Camp Kutandala leitet und Touristen bis auf wenige Meter an Elefanten vorbeiführt: „In den achtziger Jahren wimmelte es in North und South Luangwa vor Wilderern, jedes Jahr wurden hier etwa 1000 Elefanten getötet“, sagt er. 1987 lebten in North Luangwa nur noch 300 Tiere. Heute sind es wieder 1500 Elefanten.

Nach den Erfolgen des Handelsverbotes und der Brigaden, die oft mit Waffengewalt gegen die Wilderer vorgingen, begann die Hilfe aber schon nach vier Jahren wieder zu versiegen, klagt Samuel Wasser. In Sambia unterstützen seither die Betreiber der Safari-Camps den Staat beim Kampf gegen die Wilderei, zehn Prozent ihrer Umsätze fließen direkt an die sambische Naturschutzbehörde „Zawa“. Trotzdem ändert sich auch in Sambia die Situation wieder, berichtet Anna Harrison von der Naturschutzorganisation „Conservation Lower Zambezi“ (CLZ) im Lower-Zambezi-Nationalpark. Dort wurden im Jahr 2006 noch 13 gewilderte Elefanten entdeckt, im Jahr 2007 waren es bereits doppelt so viele. „Offensichtlich hat die beschränkte Freigabe des Elfenbeinhandels in diesem Jahr die Wilderei wieder angeheizt“, vermutet Anna Harrison. Internationale Verbrecherorganisationen verschiffen das illegale Elfenbein dann nach China und Japan sowie zunehmend auf den Schwarzmarkt in den USA. RHK/dal/dpa

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