AhA : Warum blinzelt auf Gruppenfotos fast immer jemand?

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Unser jährliches Familientreffen findet diesmal in Norwegen statt. Bei rund 50 Teilnehmern ist es eine Herausforderung, die ganze Sippe zum Gruppenfoto zusammenzubringen. Für die Erinnerungsalben wird eine Kamera nach der anderen aktiviert. Das Ergebnis ist ernüchternd: Wieder kein Bild, auf dem nicht mindestens einer blinzelt.

Nic Svenson vom CSIRO-Forschungszentrum in Australien hat solche Gruppenfotos ausgewertet. Die Fotografin konnte sich zunächst keinen Reim auf die schwankende Zahl der Blinzler machen. Also setzte sie sich mit dem Physiker Piers Barnes zusammen. „Dazu brauchen wir keine Daten“, meinte Barnes. „Das können wir mathematisch modellieren.“

Erwartet eine Person, dass ein Foto von ihr gemacht wird, blinzelt sie etwa zehn Mal pro Minute. Das ist nicht viel. Aber bis die Augenlider, die sich beim Blinzeln schließen, wieder ganz offen stehen, vergeht etwa eine Viertelsekunde.

Fotos sind eher blinzelfrei, wenn die Blende nur kurz geöffnet ist. Die Blendenöffnungszeit hängt aber von den Lichtverhältnissen ab. Barnes bezeichnet diese Zeit mit t und die Zahl der Blinzelbewegungen pro Person und Zeitintervall mit x. Er kommt auf folgende Formel für blinzelfreie Bilder: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person auf einem Porträtfoto nicht blinzelt, beträgt 1 - xt. Schauen zwei Personen in die Kamera, sind ihre Blinzelbewegungen unabhängig voneinander, denn Blinzeln ist nicht ansteckend. Die Chance, dass beide nicht blinzeln, berechnet sich also zu: (1 - xt) mal (1 - xt). Mit jeder zusätzlichen Person erweitert sich die Formel um denselben Faktor, die Wahrscheinlichkeit für blinzelfreie Fotos sinkt kontinuierlich.

Um sicherzugehen, dass wenigstens ein blinzelfreies Foto herausspringt, fand Barnes eine Faustformel: Man teilt die Anzahl der Personen durch drei. Unter sechs Fotos einer 18-köpfigen Familie sollte also mindestens ein blinzelfreies Bild sein, wenn der Raum gut ausgeleuchtet ist. Falls dagegen 50 Personen zusammenkommen, blinzelt fast immer jemand. Thomas de Padova

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