AhA : Warum braucht der Maulwurf Augen?

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Der Maulwurf durchpflügt unsere Gärten und untergräbt unsere Sprache. „Blind wie ein Maulwurf!“ Von oben herab reden wir über das, was unten in der Erde geschieht, ohne zu ahnen: Das Tier mit dem dunklen Pelz sieht die Welt farbig. Es nimmt sogar ultraviolettes Licht wahr, wozu kein Mensch imstande ist.

Etwa 300 Säugetierarten verbringen ihr Leben im Untergrund. Dort legt der Maulwurf Gänge an, in denen er Jagd auf Regenwürmer und Insekten macht. Er hat einen ausgeprägten Geruchs- und Tastsinn, gräbt Kammern, zum Schlafen, Nisten und für seine Vorratshaltung. Sein Appetit ist groß: Jeden Tag nimmt er knapp die Hälfte seines Körpergewichts an Nahrung zu sich.

Leo Peichl vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt und seine Kollegen haben die Netzhäute von Maulwürfen, Grau- und Nacktmullen, Trugratten und anderen subterranen Lebewesen untersucht. „Es ist nicht so, dass sich ihre Augen als Anpassung an das unterirdische Leben völlig zurückgebildet haben“, sagt Peichl. „Ihre Netzhaut enthält Stäbchen und zwei verschiedene Zapfentypen wie bei anderen Säugetieren auch.“

Stäbchen sind Sinneszellen, mit denen Tiere nachts sehen, Zapfen ermöglichen das Farbensehen bei Tageslicht. Entgegen den Erwartungen der Forscher ist die Netzhaut von Maulwurf & Co mit vergleichsweise vielen Zapfen ausgestattet. Die Zapfen machen bis zu zehn Prozent der Sinneszellen aus, mehr als bei nachtaktiven Säugern wie Katzen. Warum?

In ihren Tunneln unter der Erde können Maulwürfe mangels Licht nichts sehen. Stäbchen taugen dort als Nachtsichtgeräte nicht, und seien es noch so viele. Das könnte eine Erklärung für die geringere Stäbchendichte ihrer Netzhaut sein.

„Wir denken, dass die Zapfen für die seltenen Gelegenheiten erhalten wurden, bei denen die Tiere an die Oberfläche kommen“, sagt Peichl. Etwa wenn die geschlechtsreifen Jungtiere aus dem Bau vertrieben werden oder die Gänge bei starkem Regen voll Wasser laufen. Dann können sich Maulwürfe dank der Zapfen im Freien orientieren und Feinden aus dem Weg gehen. Thomas de Padova

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