AhA : Warum faulenzen Faultiere?

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Die Blätter oben in den Baumkronen sind nicht sonderlich nährstoffreich. Wer ausschließlich von ihnen lebt, der muss mit seinen Reserven haushalten. So wie das Faultier, ein Energiesparmodell unter den Säugern. „Es verschläft große Teile des Tages und der Nacht und verbringt die meiste Zeit in Ruhe“, sagt Manfred Niekisch, Direktor des Zoos in Frankfurt am Main. Schlafend, dösend, kauend. Seine Verdauung und der gesamte Stoffwechsel arbeiten wie im Zeitlupentempo. „Nur wenn die Mütter Junge haben, werden sie aktiver.“

Niekisch hat Faultiere in Panama beobachtet, wo sie im Kronendach der Cecropia-Bäume sitzen. Die haben schmackhafte Blätter und leben in Symbiose mit einer aggressiven Ameisenart. Die angriffslustigen Wächter dulden niemanden im Blattwerk. Nur Schildläuse sind als Nutzvieh willkommen. Sie werden von den Ameisen großgezogen und gemolken.

„Das Faultier müsste eigentlich Schlautier heißen“, sagt Niekisch. „Es bewegt sich so langsam, dass es von den Ameisen nicht attackiert wird.“ Beim Klettern setzt es seine hakenförmigen Hände wie Steigeisen ein. Auch im Schlaf geben ihm die scharfkantigen Klauen sicheren Halt. Sie schränken aber die Fingerfertigkeit ein. Anders als Menschenaffen, die regelmäßig ihr Fell reinigen und sich mit ihren beweglichen Fingern säubern, kümmert sich das Faultier nicht um seinen Pelz. Es setzt Algen an. Denn in den Baumkronen ist es feucht, und bei der ruhigen Lebensweise der Tiere grünt es in ihrem Fell, was als Tarnung und Schutz vor Greifvögeln durchaus nützlich sein kann.

Und wenn es schon ums Energiesparen geht: Warum sollte sich ein Faultier selbst um Körperpflege bemühen? Dem Algenwachstum kann durch Untermieter Einhalt geboten werden. Einmal in der Woche verlässt das Faultier die Baumkrone, um Kot abzusetzen, erläutert Niekisch. „Die Kotplätze sind immer dieselben.“ Dabei nimmt es Motten auf, die dann im Fell leben, oft mit anderen Insekten. Sie weiden die Algen ab. Bevor es zu faulen beginnt, das Faultier. Thomas de Padova

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