AhA : Warum finden Brieftauben heim?

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Die Vorfahren der Brieftaube waren Küstenbewohner. Sie nisteten in Felsnischen, die sie, aus Angst vor Wanderfalken, nur selten zur Futtersuche verließen. Der Aktionsradius der Felsentaube ist groß. Aus bis zu 50 Kilometern Entfernung holt sie ihre Nahrung herbei, findet aber dank eines ausgeklügelten Navigationssystems stets nach Hause zurück.

Die Tiere orientieren sich am Magnetfeld der Erde. „Sie besitzen einen angeborenen Kompass“, sagt der Zoologe und Verhaltensforscher Wolfgang Wiltschko von der Universität Frankfurt/Main. Das Erdmagnetfeld ist an den Polen am stärksten und am Äquator am schwächsten, es teilt die Welt in Nord und Süd.

Allerdings wird dieses Feld durch vulkanisches Gestein und Eisenvorkommen lokal verzerrt. „Die Vögel nehmen auch diese Anomalien wahr und lernen, sich danach auszurichten.“ Mit Hilfe von Magnetitkristallen im Schnabel registrieren sie Intensitätsunterschiede des Magnetfelds, anhand derer sie die Heimrichtung festlegen. Dass dieser Kurs eingehalten wird, überwachen Pigmente in der Netzhaut, deren Zustand vom umgebenden Magnetfeld abhängt.

Tauben verlassen sich aber nicht nur auf ihren Magnetsinn. Auch der Tageslauf der Sonne weist ihnen den Weg. Aus dem jeweiligen Sonnenstand ermitteln sie mit Hilfe einer inneren Uhr ihre Flugrichtung, sagt Wiltschko. Er hat gerade eine Taube nach 20 Jahren in den Ruhestand geschickt, die an 118 Versuchsreihen beteiligt war. Dem stämmigen Vogel machten kleine GPS-Sensoren auf dem Rücken nichts aus.

Wie Wiltschko und andere Wissenschaftler herausgefunden haben, orientieren sich Tauben in der Nähe ihres Heims an Landmarken und Gerüchen. Ihr Innenohr ist zudem auf Infraschall spezialisiert. So können sie das Rauschen des Ozeans anpeilen und Mikrobeben, kleinste Erschütterungen der Erde, wahrnehmen. Thomas de Padova

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