AhA : Warum gibt es im deutschen Urwald so viele Buchen?

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Herrlich, so ein Waldspaziergang im Sommer! Stellen Sie sich einmal vor, Sie leben in Australien. Wegen des Ozonlochs müssen Sie ständig Ihre Nase eincremen. Sie gehen in den Eukalyptuswald und nicht einmal da finden Sie Schatten. Die ledrigen Eukalyptusblätter hängen senkrecht nach unten, weil auch sie sich vor der Mittagshitze schützen müssen. Es ist ein schattenarmer, trockener Wald.

Ganz anders der Buchenwald. Er ist kühl und feucht. Sein Laub bildet eine dichte Krone. Zwar stehen die silbergrauen, alten Stämme wie Säulen da, doch hoch oben greift das Blattwerk ineinander. Durch die Verdunstung an den Blättern schafft der Wald sein eigenes Klima. Eine ausgewachsene Buche mit einer Blattfläche von 1500 Quadratmetern zieht an einem Sommertag genügend Feuchtigkeit aus dem Boden, um 400 Liter Wasser an die Luft abzugeben.

Soeben hat die Unesco fünf deutsche Buchenwälder ins Weltnaturerbe aufgenommen. Eine bemerkenswerte Auszeichnung! Ohne menschliches Zutun wären weite Teile Mitteleuropas mit Buchenwäldern bedeckt. Ihr fast geschlossenes Kronendach schafft Bedingungen, mit denen die Buchen selbst am besten zurechtkommen.

Birken brauchen mindestens 14 Prozent des Sonnenlichts, um zu keimen. Bei Kiefern sind es elf Prozent, bei Eichen immerhin noch vier. „Die Buche ist extrem schattentolerant“, erläutert die Forstwissenschaftlerin Susanne Winter vom Wissenschaftszentrum im bayerischen Weihenstephan. Junge Buchen wachsen an Standorten, wo nur wenig mehr als ein Prozent des Lichts den Boden erreicht. „Sie können sich unter sich selbst verjüngen.“ Daher setzen sie sich in unseren Breiten gegenüber anderen Bäumen durch.

Während der letzten Eiszeit starben in Mitteleuropa viele Pflanzenarten aus. Gebirge wie die Alpen hinderten sie daran, sich in wärmere Regionen zurückzuziehen. Nachdem das Eis geschmolzen war, wanderten Birken und Kiefern ein. Dank ihrer leichten Samen vermehrten sie sich rasch. Bis vor 9000 Jahren herrschten sie als Pionierbäume vor

Mit den zunehmend wärmeren Sommern und immer noch kalten Wintern kamen Eichen besser zurecht. Die Buchen folgten wenig später. Wälder, in denen die Buche dominiert, gibt es in Deutschland seit rund 5000 Jahren. „In noch vorhandene Eichenbestände wachsen heute noch Buchen ein“, sagt Susanne Winter. „Wenn ein Eichenwald nicht bewirtschaftet wird, dann wird er in Deutschland fast überall zum Buchenwald.“ Thomas de Padova

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