AhA : Warum gibt es mehr Rechts- als Linkshänder?

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Papageien können ihre Füße wie Hände benutzen. Da jeweils zwei ihrer Zehen nach hinten und zwei nach vorne zeigen, sind sie in der Lage, nach Früchten und Gegenständen zu greifen und sie geschickt zu bearbeiten. Dabei ist ein Fuß eher Stand-, der andere Greiffuß, es gibt Rechts- und Linksfüßer. So kann sich jeder Fuß und damit jede Gehirnhälfte auf bestimmte Aufgaben spezialisieren. Kein anderes Tier ist dem Menschen in dieser Hinsicht so ähnlich.

Homo sapiens hat seit jeher eine Präferenz für die rechte Hand. „Selbst Vormenschen vor 2 bis 2,5 Millionen Jahren waren vorwiegend Rechtshänder“, sagt Onur Güntürkün, Leiter des Instituts für Kognitive Neurowissenschaft der Universität Bochum. Anhand von Steinsplittern haben Forscher nachweisen können, dass schon bei der Herstellung der ersten bekannten Steinwerkzeuge Rechtshänder in der Mehrheit waren. „Man sieht das auch sehr schön an Höhlenmalereien, etwa in Kimberley in Australien.“ Demnach wurden vor 40 000 Jahren 85 bis 90 Prozent der Feinmanipulationen mit rechts ausgeführt.

Die Rechtshänderquote ist seither ziemlich stabil. Allerdings waren westliche Gesellschaften gegenüber Linkshändern zeitweise ausgesprochen intolerant. Diese wurden meist umgeschult, Linkshändigkeit galt als Zeichen von Schwäche. „In den letzten 80 Jahren hat sich der Prozentsatz der Linkshänder jedoch wieder von drei auf etwa 15 Prozent erhöht“, sagt der Psychologe.

Die drastische Präferenz für die rechte Hand hängt mit der Arbeitsteilung der beiden Gehirnhälften zusammen. So wird die rechte Hand von unserer linken Hirnhälfte gesteuert, die vor allem für das analytische Denken zuständig ist. Dieses Zusammenspiel könnte gerade bei Aufgaben vorteilhaft sein, die eine hohe Präzision erfordern.

Die meisten Forscher gehen davon aus, dass die Präferenz für rechts erblich bedingt ist. Umstritten ist, ob es ein Gen für die Händigkeit gibt oder ob diese durch andere vererbbare Mechanismen beeinflusst wird. Filmaufnahmen des Verhaltensforschers Irenäus Eibl-Eibesfeldt in Zentralafrika belegen, dass sich in vorindustriellen Gesellschaften die Rechtshändigkeit im Alltagsleben nicht so deutlich zeigt. Offenbar ist gerade unsere Feinmotorik, wie sie etwa beim Schreiben trainiert wird, im Unterschied zur Grobmotorik stark asymmetrisch. Womöglich wird eine kleine genetische Disposition kulturell verstärkt. Thomas de Padova

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