AhA : Warum haben Austern eine Perle?

Wir Menschen schmücken uns gerne mit Perlen - für Austern sind sie eine Art Wundheilungsprogramm.

Thomas de Padova

Nüsse zu knacken, ist in vielen Familien Männersache. Papa muss ran, weil Kinder die Schalen von Wal- oder Haselnüssen nicht aufbrechen können. Jungvögel haben es auch nicht leichter. Austernfischer üben bis zu zwei Jahre lang, ehe sie ohne elterliche Hilfe an das Fleisch von Schalentieren herankommen. Sie lernen, ihren Schnabel zwischen die Klappen der Austern zu schieben und deren Schließmuskeln zu durchtrennen oder die Schalen von Muscheln aufzupicken.

Dazu brauchen Austernfischer kräftige Schnäbel. Das Muschelgehäuse ist hart. Schalentiere bilden, während sie wachsen, solide Panzer aus Kalziumkarbonat, um Fressfeinde abzuwehren. Aus demselben Material können auch kostbare Perlen entstehen, wenn ein Fremdkörper, etwa ein Sandkorn, in das Klappgehäuse einer Auster gespült wurde. In einer Art Wundheilungsprogramm wird der Eindringling mit Perlmutt ummantelt und unschädlich gemacht.

Das Perlmutt von Schalentieren ist sehr bruchfest. „Es ist aufgebaut wie eine Ziegelwand“, sagt Monika Fritz, Expertin für Biomineralisation an der Universität Bremen. Die Ziegel, kleine Plättchen aus Kalziumkarbonat von nur 15 Mikrometern Durchmesser und einen halben Mikrometer hoch, stapeln sich Schicht auf Schicht. Den Mörtel dazwischen bilden organische Substanzen, darunter klebrige Zucker- und Eiweißstoffe. „In einem Millimeter Perlmutt liegen 2000 solche Schichten übereinander.“

Man erkennt Perlmutt an seinem Regenbogenschillern. Es irisiert. Die vielen Kalziumkarbonat-Schichten sind jeweils etwa so dick wie die Wellenlänge des sichtbaren Lichts. An jeder Schicht wird ein Teil des einfallenden Sonnenlichts reflektiert, ein Teil durchgelassen. Die aus den verschiedenen Tiefen zurückgeworfenen Strahlen überlagern sich anschließend: teils konstruktiv, so dass bestimmte Farbtöne verstärkt, teils destruktiv, so dass andere Bereiche des Farbspektrums ausgelöscht werden.

Die Innenschalen von Perlaustern, Kreiselschnecken oder Seeohren schillern je nach Betrachtungswinkel in verschiedenen Farben. Auch Perlen glänzen aufgrund dieser regelmäßigen Perlmutt-Schichtung. Allerdings bringen nur wenige Muschelarten schöne, runde Perlen hervor. Heutzutage werden die Steine gezüchtet, indem man den Austern mehr oder weniger erfolgreich Fremdkörper einsetzt, um sie zur Schmuckproduktion zu stimulieren. Thomas de Padova

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