AhA : Warum haben Männer Brustwarzen?

Thomas de Padova

Die Milch macht’s. Dem weiblichen Geschlecht genügen ein paar Zitzen, um dem exklusiven Klub der Säugetiere zugerechnet zu werden. Katzen, Kaninchen und Schweine haben viele davon, sie werfen mehrere Junge. Elefantenkühe, die meist einzelne Junge zur Welt bringen, besitzen immerhin zwei Zitzen.

Frauen haben ebenfalls zwei Brüste. Das reicht, einstweilen. Trotz einer Zunahme von Mehrlingsschwangerschaften konkurrieren nur drei Prozent der Neugeborenen mit Zwillingsschwester oder -bruder um die Muttermilch. Drillinge sind viel seltener. Glücklicherweise! Denn Väter können nicht mal eben einspringen, obschon auch sie mit Brustwarzen ausgestattet sind. Ein Fehler im Design?

Der Mann muss sich damit abfinden, dass es zu aufwendig wäre, eigens für ihn einen Bauplan zu entwerfen. Soweit bekannt, verläuft die Entwicklung männlicher und weiblicher Embryonen in den ersten Wochen nach einer Befruchtung völlig identisch. Zwar ist das Geschlecht durch Erbanlagen festgelegt, doch anatomisch gibt es zunächst keine Unterschiede.

„Alle Organe werden bis zur achten Woche angelegt“, sagt Christoph Viebahn, Leiter der Abteilung Anatomie und Embryologie der Uni Göttingen. Auch die Zellen, aus denen Brüste und Brustwarzen hervorgehen, bilden sich in dieser Zeit. „Danach beginnt der Wachstums- und Ausreifungsprozess.“

Von einer spezifisch männlichen Entwicklung kann erst gegen Ende der frühen Embryonalphase die Rede sein. Eines der Gene auf dem Y-Chromosom löst nun die Bildung der Hoden aus. Diese produzieren Testosteron, das die Entstehung von Samenleitern und Nebenhoden einleitet.

Zusammen mit anderen Hormonen gibt Testosteron das eigentliche Signal für ein Umschwenken auf Männlichkeit. Hormone führen auch dazu, dass die „Müllerschen Gänge“ verkümmern, aus denen sonst Eileiter, Scheide und Gebärmutter heranwachsen würden. Dagegen haben die Brustwarzen bereits angefangen, sich zu entwickeln. Sie sind ziemlich resistent gegen die Hormone, die die männliche Entwicklung vorantreiben. So bleiben Brustwarzen dem Mann ein Leben lang erhalten. Thomas de Padova

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