AhA : Warum hält der Nagel in der Wand?

Thomas de Padova

Ein Nagel, ein Hammer, ein Schlag – ein Bluterguss. Der Schwung mit dem Hammer hat manchmal eine schmerzliche Seitwärtskomponente. Beim ersten oder zweiten Schlag knickt der Nagel leicht ab, der Hammer rutscht vom Köpfchen. Erst wenn der Metallstift tief genug sitzt, kann das Wandmaterial die seitliche Kraft auffangen. Es empfiehlt sich also, das Handwerk mit wenig Kraft zu beginnen.

Und mit dem richtigen Nagel. Er sollte weder zu kurz noch zu dünn sein. Aber auch nicht zu dick. Dünnere Nägel dringen bei gleichem Kraftaufwand tiefer ein. Die kleinere Spitze übt stärkeren Druck aus. Jeder, dessen Füße schon einmal Bekanntschaft mit einem Pfennigabsatz gemacht haben, kennt die Wirkung kleiner Kontaktflächen. Beim Nageln ist sie ausschlaggebend, denn der Kampf mit der Wand ist ein Verdrängungswettbewerb. Wo zunächst Mauerwerk oder Holz ist, soll nach wenigen Schlägen der Nagel sein. Das gelingt nur mit einem harten Nagel, der dem Zusammendrücken stärker trotzt als die Wand. Gegen Beton hilft nur ein Nagel aus gehärtetem Stahl.

„Um den Nagel herum wird das Material verdichtet“, sagt Rolf Eligehausen, Leiter der Abteilung Befestigungstechnik am Institut für Werkstoffe im Bauwesen der Uni Stuttgart. „Das verdrängte Material erzeugt eine Druckkraft. Sie ist umso größer, je dicker und länger der Nagel ist.“ Diese Kraft gibt dem Nagel Halt.

Seine Tragfähigkeit hängt davon ab, in welcher Richtung er beansprucht wird. Senkrecht zur Schaftrichtung ist er wegen des Gegendrucks der Wand belastbar. Dem Zug in Längsrichtung gibt er dagegen manchmal nach. Geriffelte Nägel erzeugen eine größere Haftreibung zwischen Nagel und Wand. Wenn ein profilierter Nagel die Fasern in dichtem Holz stark zusammenpresst, sorgt die beiderseitige Rauheit für eine gute Verzahnung der Materialien auf mikroskopischer Ebene. Anders verhält es sich, wenn das Wandmaterial zerbröselt, etwa bei Bauteilen aus Porenbeton. Thomas de Padova

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