AhA : Warum hat die Kuh vier Mägen?

Erst wenn Kälber keine Muttermilch mehr bekommen, entwickeln sie drei zusätzliche Mägen. Die sind nötig, um Gras und Pflanzen zu verdauen.

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Da ein Kalb, genau wie andere neugeborene Säugetiere, zunächst nur Milch bekommt, braucht es keine vier Mägen. Es kommt mit einem einzigen aus, dem Labmagen. Die hochwertige Muttermilch fließt allerdings nur für kurze Zeit. Das Kalb muss seine Ernährung umstellen, beginnt Gras und andere Pflanzen zu fressen. Es wird zum Wiederkäuer und trägt fortan vier Mägen mit sich herum.

Von den drei Vormägen, die von Beginn an angelegt sind, wird der Pansen am größten. Beim neugeborenen Kalb ist seine Wand dünn und glatt. Nach und nach bekommt sie dicke Zotten, die – durch die Aktivität von Bakterien stimuliert – in die Länge wachsen. Der Pansen wird zu einer Gärkammer und fasst schließlich bis zu 120 Liter.

Beim Weiden schluckt die Kuh das Gras zunächst nur grob zerkaut. Im Pansen beginnen die Mikroben dann schon einmal mit der Zersetzung. Später, wenn sich die Kuh hinlegt, würgt sie die Fasern zurück ins Maul, zerreibt sie zwischen den Backenzähnen und speichelt sie ein, ehe sie sie erneut hinunterschluckt. Im zweiten Magen, der Haube, wird das Futter durchmischt. Was fein genug ist, gelangt zum Blättermagen, der es weiter zerreibt. Dort setzen auch die Bakterien ihr Werk fort.

Für uns Menschen sei Gras weitgehend unverdaulich, sagt Cornelia C. Metges, Leiterin des Forschungsbereichs Ernährungsphysiologie am Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf. „Im Pansen dagegen können die Zellwände der Pflanzen durch die Symbiose mit Bakterien geknackt werden.“ Die Kleinstlebewesen verfügen über Enzyme, um Zellulose zu spalten.

Wenn Kühe allerdings nur Gras fressen, geben sie nicht so viel Milch. Darum bekommen Milchkühe zusätzlich Kraftfutter aus Getreide und Soja. Das wird ebenfalls von Bakterien in kurzkettige Fettsäuren umgewandelt. Aus diesen Fettsäuren beziehen sie ihre Energie. Moderne Milchkühe, über Jahrhunderte von Züchtern auf höchste Milchproduktion selektiert, kommen mit dem Fressen kaum noch nach. Um unseren Milchdurst zu stillen, sind offenbar auch vier Mägen nicht genug. Thomas de Padova

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