AhA : Warum hat ein Ei zwei Dotter?

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Bei Hühnereiern sind zwei Dotter keine Seltenheit. Trotzdem ist selbst Experten kein Fall bekannt, wo zwei Küken aus einem Ei geschlüpft wären. Was ist das für eine seltsame Laune der Natur?

Jede Henne hat von Geburt an tausende Eizellen, aber im Unterschied zum Menschen nur einen funktionsfähigen Eierstock. Während sich ihr rechter Eierstock rasch zurückbildet, reifen im linken die Eizellen heran. Durch Einlagerung von Nährstoffen werden aus den Eizellen nach und nach Dotterkugeln.

Zwar verlässt in der Regel nur ein Dotter oder Follikel am Tag den Eierstock. „Bei jungen Hennen ist das Hormonsystem aber noch nicht darauf eingestellt“, erläutert Michael Grashorn vom Institut für Tierhaltung und Tierzüchtung der Universität Hohenheim. „Bei ihnen passiert es häufig, dass zwei Dotter in ein Ei eingebaut werden. Oder sogar vier.“

Befinden sich zwei Dotterkugeln im Eileiter, dann werden sie gemeinsam verpackt. Zunächst kommt Eiklar drumherum, das aus speziellen Drüsen im Eileiter tropft. Danach dauert es noch einmal 20 Stunden, ehe sich die Kalkschale voll ausgebildet hat und die Henne ihr Ei legen kann. Doppeldotter-Eier erkennt man mitunter schon an ihrer Größe.

Die im Handel angebotenen Eier sind meist unbefruchtet. Wurden die beiden Eizellen dagegen zuvor von einem Hahn befruchtet, wachsen im Ei kleine Hühnerembryos heran: zweieiige Zwillinge. Das Ei ist dafür nicht geschaffen. Obschon mit dem doppelten Dotter gleich zwei mütterliche Carepakete zur Verfügung stehen, wird es rasch zu eng für die Brut – vor allem in den letzten Tagen der insgesamt dreiwöchigen Entwicklung.

„Dann muss sich das Küken so umdrehen, dass sein Schnabel in die Luftblase ragt“, sagt Grashorn. Wurde es bisher über Blutgefäße versorgt, beginnt nun die Lungenatmung. Der Sauerstoff in der kleinen Luftkammer des Eis ist für das Überleben unabdingbar. Für ein Küken ist das Hühnerei ein vorzüglicher Brutkasten. Zwillinge jedoch sind von der Natur nicht vorgesehen. Thomas de Padova

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