AhA : Warum heulen Wölfe?

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„Der Hund lebt ständig im Dreißigjährigen Krieg. In jedem Briefträger wittert er einen fahrenden Landsknecht, im Milchmann die schwedische Vorhut“, so der Dichter Kurt Tucholsky. „Er bellt, wenn jemand kommt, sowie auch, wenn jemand geht – er bellt zwischendurch, und wenn er keinen Anlass hat, erbellt er sich einen.“

Der Haushund stammt nachweislich vom Wolf ab. Und der bellt kaum, sondern heult. Die Entwicklung vom Raubtier und Rotkäppchenschreck zum Haustier und Pfötchengeber war also zugleich eine vom Heuler zum Wauwau.

Anders als Hunde bekommen Wölfe nur einmal im Jahr Nachwuchs. Die Welpen verbringen die ersten Wochen in einer Höhle. „Während der Aufzucht der Jungen sind Wölfe sehr schweigsam“, sagt Karl-Heinz Frommolt, Leiter des Tierstimmenarchivs im Berliner Museum für Naturkunde. Sie geben den Standort der Höhle nicht preis.

Frommolt hat die Kommunikation der Wölfe in den 80er Jahren in Zentralrussland studiert, und zwar im Sommer, als die Welpen begannen, den Bau zu verlassen und die Gegend zu erkunden. „Dann müssen sie immer wieder zusammengerufen werden.“ Denn die Vegetation im Revier ist meist so dicht, dass sich die Tiere schnell aus den Augen verlieren.

Ein Wolfsrevier ist groß. „Ein Radius von zehn Kilometern und mehr ist keine Seltenheit.“ Die Kommunikation erstreckt sich aber nicht über das gesamte Territorium. Wenn Altwölfe auf Jagd gehen und mit Futter zurückkehren, melden sie sich aus einer Entfernung von bis zu einem Kilometer zurück. Meist wird ihr Heulen beantwortet, die Wölfe heulen dann im Chor. Bei Freilandexperimenten hat Frommolt diesen Chorgesang durch Imitation des Heulens ausgelöst.

Auch Wölfe, die von der Gruppe getrennt sind, fangen an zu heulen. Das Rudel wird dadurch zusammengehalten und markiert sein Revier. Nur gelegentlich bellen Wölfe. Für sie ist das Bellen in erster Linie ein Warnlaut: wenn Gefahr droht oder bei Auseinandersetzungen innerhalb des Rudels. Andersherum können auch Hunde heulen, etwa wenn sie allein gelassen werden.

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