AhA : Warum ist die Erde rund?

Thomas de Padova

In der Ferienzeit sollte man Sonnenuntergänge nicht schlecht reden. Die Fotoapparate sind gezückt, die Rührung nahe. Aber, Entschuldigung, wird das nicht über die Jahre ein bisschen langweilig? Könnte uns die Sonne beim allabendlichen Schauspiel nicht etwas Abwechslung bieten?

Manchmal ist die Formenvielfalt der Natur nur ein Mythos. Sähe die Sonne heute Abend wie eine Teekanne oder ein Sonnenhut aus, ihre gewaltige Schwerkraft würde den Henkel oder die Hutkrempe zusammenknautschen, bis sie wieder so abgezirkelt wäre wie eine Münze. Alles am Himmel, was auch nur annähernd so groß ist wie Mond oder Mars, ist rund. Auch die Erde ist kugelrund, die Berge und Gräben sind angesichts ihrer Ausmaße winzige Runzeln. Nur an den Polen ist sie wegen der Rotation um ihre Achse ein wenig abgeplattet, ihr Durchmesser ist dort etwa 40 Kilometer kleiner als am Äquator, wo er 12 756 Kilometer beträgt.

Die höchsten Gebirge türmen sich da auf, wo Erdplatten aneinanderstoßen. Die Plattenbewegung wird durch Umwälzungen im heißen Erdmantel angetrieben. Nach unseren Maßstäben ist das Erdinnere steinhart. „Aber in geologischen Zeiträumen fließt das Gestein im Erdmantel wie eine zähe Masse“, sagt Ulrich Christensen, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnenphysik in Katlenburg-Lindau. Wie Honig.

Über Jahrmillionen hinweg gestalten diese Fließprozesse die Erde ständig um. Alle Unebenheiten sind kurzlebig, ob Gebirge oder jene Krater, die bei Meteoriteneinschlägen entstehen. So gesehen, ist die Erde ein riesiger Flüssigkeitstropfen, der wegen seiner Schwerkraft die kompakteste Form annimmt.

Dagegen sind kleine Asteroiden nicht rund. Manche sehen aus wie Erdnüsse. „Asteroiden haben viel weniger Masse und eine geringere Schwerkraft“, sagt Christensen. Sie seien innerlich ausgekühlt, ihr Gestein könne nicht fließen. Wenn ein Meteorit auf sie fällt, was in großen Zeitabständen immer mal wieder passiert, behalten Asteroiden lebenslang eine Beule. „Tatsächlich wird ihre Form durch Kollisionen bestimmt.“

Bei einem Durchmesser von weniger als 1000 Kilometern sind Himmelskörper nicht mehr so rund wie die Erde. Allerdings sind sie dann so klein und dunkel, dass man sie am Himmel nicht sieht. Eines Abends jedoch werde ich mit einem Megateleskop am Strand stehen. Dann ist Schluss mit dem einförmigen Spektakel. Bis dahin: Immer wieder Sonnenuntergang! Thomas de Padova

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