AhA : Warum ist die Luft in den Bergen dünner?

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Wassersportler fürchten die Taucherkrankheit. Mit jedem Meter Tiefe steigt das Gewicht der Wassermassen über ihnen. Den Druckwechsel halten Taucher umso besser aus, je mehr Zeit sie ihrem Körper geben, sich daran zu gewöhnen. Besonders gefährlich ist ein zu schnelles Auftauchen aus der Tiefe.

Luft ist viel leichter als Wasser. Da aber auch Luftmoleküle der Erdanziehung unterliegen, verursacht die Luftsäule über uns ebenfalls einen Druck. Auf Meereshöhe ist der von der Atmosphäre erzeugte Druck etwa so stark wie der einer zehn Meter hohen Wassersäule. Mit zunehmender Höhe sinkt er spürbar. Auch an Hochlagen sollte man sich daher durch langsame Akklimatisierung anpassen.

Taucher und Bergsteiger leben in unterschiedlichen Medien. Wasser lässt sich kaum komprimieren. Luft dagegen wird bei hohem Druck verdichtet. Am Boden, wo der Luftdruck am höchsten ist, ist die Luft daher am dichtesten. Beim Aufstieg ins Gebirge wird sie dünner und dünner.

Obschon wir es zunächst kaum merken, reagiert unser Körper darauf mit einer gesteigerten Atemaktivität. Chemorezeptoren registrieren die Sauerstoffkonzentration im Blut und leiten die Information ans Hirn weiter. „Bei niedrigerem Sauerstoffangebot atmen wir mehr“, erläutert Kai Schommer, Experte für Höhenmedizin am Uniklinikum Heidelberg. „Unsere Organe brauchen immer dieselbe Menge Sauerstoff.“

An Bergstationen wie der Capanna Regina Margherita in den Walliser Alpen auf 4550 Metern hätten Forscher die Höhentoleranz von Wanderern studiert, berichtet Schommer. Das Tempo entscheidet. Mehr als 50 Prozent derjenigen, die von der Monte-Rosa-Hütte auf 2800 Metern Höhe oder der Seilbahnstation Punta Indren auf 3260 Metern an einem einzigen Tag zur Capanna Regina Margherita aufsteigen, leiden danach an Übelkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Es sind typische Anzeichen der akuten Bergkrankheit. Etwa acht Prozent der Schnellaufsteiger sind zudem mit den Gefahren eines Lungenödems konfrontiert.

Die Luftschicht der Erde ist sehr dünn. Auf der Capanna Regina Margherita haben Alpinisten schon fast die Hälfte der Atmosphäre unter sich. Würde man plötzlich auf dem Mount Everest abgesetzt, wäre man aufgrund des Sauerstoffmangels innerhalb weniger Sekunden bewusstlos, sagt Schommer. Thomas de Padova

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