AhA : Warum ist die Scholle platt?

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Zwar sieht man einem Fischfilet, Rollmops oder Fischstäbchen die Verwandtschaft mit uns nicht an, doch Fische sind unsere Urahnen. Wir verdanken ihnen unser Rückgrat, Kiefer und Zähne. Aus den Bauch- und Brustflossen der Knochenfische haben sich im Laufe der Evolution Arme und Beine entwickelt.

Fische haben eine rechte und eine linke Körperhälfte. Bei Plattfischen scheint das anders zu sein. Wegen der Lage ihrer Augen sprechen wir bei Scholle, Steinbutt, Flunder & Co. von Ober- und Unterseite. Doch beide Augen einer Scholle liegen auf der rechten Körperseite, während sie beim Steinbutt links sitzen.

„Wenn Schollen schlüpfen, sehen sie wie ganz normale Fische aus“, sagt Harald Asmus vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung auf Sylt. Sie schwimmen frei im Wasser. Binnen wenigen Wochen jedoch verschiebt sich ihr linkes Auge auf die rechte Körperseite. „Je weiter das Auge wandert, umso mehr gehen die Jungfische zum Bodenleben über.“ Sie legen sich auf die Seite und müssen für ihre Fortbewegung nur noch sehr wenig Energie aufwenden. Denn knapp über dem Meeresboden spürt die Scholle die Strömung kaum noch. Sie ist anders platt als der Rochen, dessen Unterseite tatsächlich der Bauchseite entspricht.

Am Meeresgrund ernähren sich Schollen von Muscheln und knabbern Wattwürmer an, wenn diese ihr Schwänze aus den Gängen strecken. „Die Plattfische besitzen auch eine besondere Fähigkeit, ihre Farbe zu wechseln“, erläutert der Ökologe. Mithilfe spezieller Hautzellen, der Chromatophoren, passen sie sich dem jeweiligen Untergrund an. In sandigem Boden nimmt die Scholle eine hellere Tarnfarbe an als über felsigem Boden und schützt sich auf diese Weise vor Seehunden oder Schweinswalen.

Seinen Studenten führt Asmus diese Wandlungsfähigkeit gerne vor: „Eine Scholle im weißen Kasten wird weiß, im schwarzen Kasten schwarz. Und wenn man einen Kasten mit Schachbrettmuster hat, versucht sie auch dies zu imitieren. Das funktioniert sogar ziemlich gut!“

Jede Hautzelle kann anders aussehen als ihre Nachbarzellen. Auch unsereins ist geplättet, wenn sich ein vermeintlicher Stein im flachen Wasser plötzlich in Bewegung setzt und davonschwimmt. Thomas de Padova

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