AhA : Warum ist Ostern mal im März, mal im April?

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Seit Menschen ihre Aktivitäten synchronisieren, sehen sie in den Bewegungen der Gestirne einen verlässlichen Bezugsrahmen. Frühe Kulturen schauten zur Kalenderrechnung vorzugsweise auf den Wechsel der Mondphasen. Trotzdem büßte der Mond seine Rolle als Taktgeber ein. Denn das Klima variiert mit der Sonne. Wer sesshaft ist, kann die Punkte des Sonnenauf- und -untergangs zu unterschiedlichen Jahreszeiten an festen Landmarken oder Messinstrumenten ablesen.

Im Kalender, der heute in christlichen Kulturkreisen gebräuchlich ist, haben Monate zwar noch ungefähr die Länge eines Mondzyklus, aber nichts mehr der tatsächlichen Zu- oder Abnahme des Mondes zu tun. Lediglich das Osterfest ist noch an den Zeitpunkt des Vollmonds geknüpft: Es soll am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert werden.

Diese Regelung geht zurück auf den jüdischen Kalender, der sich bis heute nach dem Mond ausrichtet. Das jüdische Kalenderjahr ist in zwölf Mondmonate zu abwechselnd 29 und 30 Tagen eingeteilt. Es hat 354 Tage. Das stimmt nicht mit dem Sonnenjahr überein. Da aber 19 Sonnenjahre ziemlich genau 235 Mondmonaten entsprechen, kann der Kalender mit beiden astronomischen Zyklen in Einklang gebracht werden, wenn innerhalb von 19 Jahren sieben Schaltmonate von je 30 Tagen Länge hinzukommen.

Die frühen Christen in Palästina orientierten sich an diesem Kalender, als sie den Termin für das Osterfest festlegten. Es fand parallel zum jüdischen Passahfest am Tag des Frühlingsvollmonds statt. Diese Parallele blieb nicht lange erhalten. Um sich vom Judentum abzugrenzen, verkomplizierten die Christen die Osterregelung: Der Termin sollte fortan keinesfalls am selben Tag wie das Passahfest gefeiert werden und auf den Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond fallen. In den Jahren, in denen der erste Frühlingsvollmond an einem Sonntag zu sehen war, musste das Fest also um eine Woche verschoben werden.

Welche kalendarischen Probleme mit all dem einhergehen, erleben wir noch heute: Der vagabundierende Osterfeiertag verweist darauf, wie schwer die Zyklen von Sonne und Mond in Einklang zu bringen sind. Thomas de Padova

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