Aha! : Warum ist Pluto kein Planet mehr?

Thomas de Padova

„Planet X“ – auf ihn hatte es der Astronom abgesehen. Percival Lowell meinte, es müsste einen solchen Planeten geben. Anders wären die Störungen in den Umlaufbewegungen der Planeten Uranus und Neptun am Rand unseres Sonnensystems nicht zu erklären. Der Astronom selbst fand keinen entsprechenden Kandidaten. Aber bald nach Lowells Tod beobachtete der erst 24-jährige Clyde Tombaugh im Februar 1930 einen wandernden Lichtfleck, der zu den vorhergesagten Daten passte: Pluto.

Der Neue wurde als neunter Planet gefeiert. Aber war der Himmelskörper, benannt nach dem römischen Gott der Unterwelt, wirklich groß genug, um die beiden Riesen Uranus und Neptun ablenken zu können? Dann hätte seine Masse deutlich größer sein müssen als die der Erde.

Kaum entdeckt, fing Pluto an zu schrumpfen. Eine Zeit lang hielt man ihn noch für so groß wie die Erde, doch die 12 000 Kilometer Durchmesser waren viel zu hoch gegriffen. 1950 galt er schon nur noch als halb so groß wie der Erdball, heute wird sein Durchmesser auf rund 2300 Kilometer geschätzt. Damit wäre Pluto kleiner als der Erdmond. Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, kreist Pluto binnen 250 Jahren einmal um die Sonne.

Inzwischen haben Astronomen dort draußen viele ihm ähnliche Himmelskörper entdeckt: Quaoar oder Orcus, Sedna und Makemake. Sie alle sind pechschwarz und reflektieren das Licht der Sonne kaum. Jenseits des Neptuns liegt ein ganzer Ring finsterer, eisiger Kleinkörper: der Kuiper-Gürtel.

„Pluto ist ein Opfer der Inflation“, sagt Jürgen Kerp vom Argelander-Institut für Astronomie in Bonn. „Lediglich seine Entdeckungsgeschichte zeichnet ihn vor anderen Objekten im Kuiper-Gürtel aus.“ Die historisch bedingte Sonderstellung büßte Pluto jedoch ein, nachdem Forscher im Sommer 2005 einen Himmelskörper entdeckten, der geringfügig größer ist als er: Eris. Im Jahr darauf wurde Pluto der Planetenstatus aberkannt. Man hätte sonst Eris & Co. ebenfalls als Planeten bezeichnen müssen.

Mit nur noch acht Planeten bleibt das Sonnensystem übersichtlich. Aber was unterscheidet Pluto und ähnliche Himmelskörper von echten Planeten? Sie müssen genügend Schwerkraft besitzen, um ihre Umgebung dominieren und von anderen Objekten bereinigen zu können, heißt es nun. Eine vage Formulierung. Immerhin schließt sie nicht aus, dass die Zahl der Planeten eines Tages wieder von acht auf neun steigt, sagt der Himmelsforscher Kerp: „Man vermutet, dass es im Kuiper-Gürtel einen noch unentdeckten Planeten gibt, der so groß ist wie die Erde.“ Thomas de Padova

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