AhA : Warum knackt Holz im Kamin?

Thomas de Padova

Wenn ich vor dem Kamin sitze, erwacht in mir der Urmensch, der vor ein paar Hunderttausend Jahren die Flammen bezähmte. Ich könnte stundenlang mit dem Feuer spielen. Das Knacken und Knistern ist wie Musik in meinen Ohren. Als mich dann jemand fragte, wie dieses Knacken und Knistern zustande kommt, musste ich feststellen, dass ich das Feuer keineswegs gebändigt hatte. Ich hatte keinen blassen Schimmer. Was also ist Holz?

Holz gibt einem Baum Stabilität. Gleichzeitig muss es Wasser und Nährstoffe hinauf zu den Blättern transportieren. Holz braucht dazu eine lange Leitung, besser gesagt: ein ganzes Röhrensystem. Holzzellen sind hohl und von Zellwänden umschlossen. Viele übereinander gelegte Holzzellen bilden eine Röhre. Dadurch gelangt Wasser aus den Wurzeln zur Krone. Die Zellwände nehmen aber auch selbst Feuchtigkeit auf. Sie bestehen aus länglichen Cellulosefasern, viel dünner als ein Haar. Diese Fasern sind extrem steif. Wie Stahlstäbe im Beton, liegen sie in einer schwammartigen Masse, der Hemicellulose. Sie kann viele Wassermoleküle binden, das Holz quillt auf. Feuchtes Holz hat ein größeres Volumen als trockenes.

„In der Hitze des Kamins trocknet Holz schnell aus“, sagt Carsten Mai vom Institut für Holzbiologie und -technologie der Uni Göttingen. „Es zieht sich zusammen.“ Und das auch noch ungleichmäßig, denn an der Oberfläche eines Holzscheits verdampft das Wasser schneller als im Innern. „So entstehen Spannungen, die sich in Rissen und Knackgeräuschen entladen.“

Vor allem kann es zu kleinen Gasexplosionen kommen. Der Wasserdampf bleibt nämlich teilweise im Holz eingeschlossen. In der Kaminhitze wird das in den Zellwänden gebundene Wasser gasförmig, die so entstehenden Gasblasen erzeugen einen hohen Druck. Wie bei einem Kessel, dem der Deckel wegfliegt, verschafft sich das Gas manchmal plötzlich einen Weg ins Freie und reißt dabei Holzfasern und Glut mit. In geringerem Maße tragen auch andere Gase, die bei der Zersetzung des Holzes etwa aus Harzen entstehen, zu solchen Mini-Explosionen bei.

Kaminholz sollte man jedenfalls lange trocknen, ehe man es verfeuert. Es brennt dann auch besser. Sehr feuchtes Holz entflammt gar nicht, sondern raucht nur vor sich hin. Thomas de Padova

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben