AhA : Warum knirscht man nachts mit den Zähnen?

von

Der Axolotl ist ein räuberisches Wesen. Nachts fällt der blinde Querzahnmolch über Krebse, kleine Fische und alles her, was in sein breites Maul und zwischen seine abgeflachten Zähne passt. Selbst Artgenossen greift er an. Sie leben allerdings in der Gewissheit, dass ihnen ein verloren gegangener Fuß rasch nachwächst. In dem Roman „Axolotl Roadkill“ von Helene Hegemann beißt sich eine drogenabhängige Minderjährige durch und mahlt mit den Zähnen. Medizinern ist das Phänomen bekannt: Unter dem Einfluss von Ecstasy und Heroin oder bei regelmäßigem Genuss von Alkohol knirschen Menschen unwillkürlich mit den Zähnen. Die Motorik des Unterkiefers nimmt nämlich zu, wenn Glückshormone wie Dopamin oder Serotonin erhöht sind.

Nächtliches Kieferpressen ist in der Bevölkerung weit verbreitet. „Die Hauptursache des Zähneknirschens in der Nacht sind emotionale Belastungen“, sagt Jens Türp von der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Myoarthropathien der Universität Basel. „Der Stress wird in der Regel im Schlaf abgebaut.“ Dann wandern innere Unruhe, verdrängte Gefühle und unterdrückte Aggressionen in den Kiefer, über dessen Bewegungen wir nachts keine Kontrolle haben. Manchmal merkt aber der Ehepartner das mehr oder weniger laute Knirschen.

Der mentale Stress hat dentale Folgen. Bei entspannten Kaumuskeln berühren sich Ober- und Unterkiefer nicht. Wer dagegen ständig seine Kieferschließer aktiviert, wetzt die Zahnkronen nach und nach ab. „Es kommt zu charakteristischen Abschleifungen, insbesondere an den Eck- und Schneidezähnen“, sagt Türp. Andere Symptome seien morgendliche Verspannungen und Muskelschmerzen.

Bei stark abgeschliffenem Zahnschmelz ist medizinische Hilfe geboten. Zahnärzte empfehlen etwa eine an die Zähne angepasste Kunststoffschiene. „Es gibt verschiedene Schienen, aber der ,Goldstandard’ ist die Michigan-Schiene, die alle Zähne des Oberkiefers überdeckt“, sagt der Experte. Auf diese Weise könnten Betroffene ihre Zähne vor weiterem Abrieb schützen. Das Knirschen und Pressen werde neben emotionalem Stress durch Rauchen und Alkohol befördert. Entspannungsmethoden könnten zu einem ruhigeren Schlaf beitragen und die nächtliche Zerknirschung mildern. Thomas de Padova

0 Kommentare

Neuester Kommentar