Aha : Warum können Schwämme laufen?

Der Gemeine Badeschwamm, Spongia officinalis, gehört zu den beliebtesten Haustieren. Sein weiches Skelett macht ihn zum Kuscheltier par excellence. Und doch gibt es kaum ein Lebewesen, über dessen Natur so wenig bekannt ist.

Thomas de Padova

Erst im 19. Jahrhundert stellten Forscher fest, dass es sich um einen tierischen Mehrzeller, und nicht um eine Pflanze handelt. Über Kammern und Röhren filtert er Nährstoffe aus dem durchströmenden Wasser. Damit der Strom erhalten bleibt, sind an den Kammern Geißelzellen aktiv und schlagen mit ihren Fortsätzen.

Nicht nur Trickfilmheld Spongebob kann laufen. Schwämme können das sogar in Wirklichkeit. Das hat Michael Nickel von der Uni Jena bei Zeitrafferaufnahmen nachgewiesen: Der kleine Schwamm Tethya wilhelma wandert mit zwei bis drei Millimetern pro Stunde über eine Glasplatte. Keine Beine, keine Muskeln, und er bewegt sich doch. „Die eigentliche Bewegung findet im Gewebe statt“, sagt Nickel. Der Schwamm ist ein lockerer Verbund aus mobilen Zellen, die Nährstoffe transportieren oder Kollagen abscheiden. „Diese Zellen können ihn in Bewegung versetzen.“ Wie eine Wanderdüne kommt er ins Rollen: Hinten löst er sich vom Boden, vorne kommt es zu einer neuen Anhaftung.

Rätselhaft bleibt, wie die Aktion zustande kommt. „Er benutzt wohl eine Art Vorläufer des Nervensystems, bei dem die chemischen Botenstoffe nicht über einen synaptischen Spalt ausgetauscht werden, sondern längere Wege gehen müssen.“ Nickel vermutet, dass sich nahezu alle Schwämme fortbewegen können, etwa um günstigere Strömungen aufzusuchen. Zumindest, solange sie klein sind.

Doch keine Sorge: Im Badezimmer stiehlt sich kein Schwamm davon. Was im Handel unter Naturschwamm läuft, ist das leblose, weiche, sonnengetrocknete und gebleichte Skelett des wunderlichen Tieres.

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