AhA : Warum kräuselt sich Geschenkband?

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Weihnachten war letztes Jahr ein Flop. Liebevoll wickelte ich die Geschenke in Zeitungspapier ein. Obwohl ich früh mit der Suche nach passenden Zeitungsseiten begonnen hatte, war an den Gesichtern abzulesen: Zeit für einen Workshop „Geschenke kunstvoll verpacken“.

In diesem Jahr verpasse ich Büchern einen papiernen Smoking und setzte zum Abschluss des Weihnachts-Origami Geschenkbandlocken auf Hintergrundschleifen. Die Bändchen dürfen nicht fehlen. Als Eiknäuel gibt es sie in jeder Farbe. Zieht man sie über die Klinge einer Schere und drückt von außen mit dem Daumen dagegen, kräuselt sich das Band und baumelt hübsch auf den Präsenten. Warum fällt es in Locken herab?

Wir beginnen mit einem Experiment: Sie nehmen ein DIN-A4-Blatt, ziehen es über eine scharfe Tischkante und stellen fest: Es kringelt sich. Ähnlich wie Geschenkband. Das Kräuseln ist keine Eigenheit des Kunststoffs.

Gummi und andere Materialien kehren in ihre Ausgangsform zurück, wenn man sie verbiegt oder daran zieht. Doch Elastizität hat Grenzen. Bei starker Belastung reißen spröde Stoffe. Dagegen bleibt der Zusammenhalt von Atomen und Molekülen bei plastischen Stoffen bestehen. Ihre Moleküle werden gegeneinander verschoben, das Material verformt sich.

„Geschenkband wird an einer Schere sehr scharf umgebogen“, sagt der Werkstoffexperte Tim Arping von der RWTH Aachen. „An dieser Knickstelle wird die Außenseite, die am Finger liegt, stärker beansprucht als die Innenseite und etwas in die Länge gezogen.“ Das Band krümmt sich daher, während es an der Klinge entlang wandert. „Die Überbeanspruchung führt zu einer bleibenden Verformung.“

Arping hat Geschenkbänder getestet. Sie kräuseln sich sogar, wenn an der Klinge kein Material abgetragen wird. Selbst wer ganz langsam zieht, kann das Band krümmen. Thomas de Padova

Eine Sammlung der Aha-Kolumnen ist unter dem Titel „Schlau nach acht“ (Piper, 192 Seiten, 8,95 Euro) als Buch erschienen.

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