AhA : Warum legt ein Kuckuck Eier ins fremde Nest?

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Er scheut die Paarbindung, drückt sich vor dem Nestbau und dem Brüten, aber vermehrt sich erfolgreich. Wie das möglich ist? Auf Kosten anderer!

Der Kuckuck verfolgt alle Vogelbewegungen im Revier. Er beobachtet genau, was an der Eierbörse vor sich geht, spekuliert auf eine Singvogelart und schlägt in Sekundenschnelle zu: fliegt zu einem Nest, stibitzt ein Ei, das er später frisst, und legt ein eigenes hinein. Seine genetischen Anlagen verteilt der Kuckuck auf acht, zehn oder noch mehr Nester.

Dabei geht es ihm nicht etwa um kleine Anteile am fremden Bruterfolg. Mit seiner Mogelpackung beansprucht Cuculus canorus den ganzen Gewinn für sich. Während die ahnungslosen Singvögel ihre Eier bebrüten, öffnet sich die Schale des Kuckuckseis als erste. Das Küken ist ganz Kind seiner Eltern. Kaum einen Tag alt, macht es Tabula rasa, wirft alle Eier aus dem Nest und imitiert mit lauten Bettelrufen die ganze Brut. Wochenlang wird es von den Adoptiveltern gefüttert, von Teichrohrsängern oder Zaunkönigen.

„Brutparasitismus gibt es auch bei Zebrafinken“, sagt Wolfgang Forstmeier vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. „Allerdings nur innerhalb ein und derselben Vogelart.“ Zebrafinkenweibchen schieben anderen Paaren ein Ei unter. So können sie insgesamt mehr Eier legen und sparen sich Arbeit bei der Aufzucht der Jungen. Forstmeier vermutet darin eine evolutionäre Vorstufe zum Kuckucksverhalten.

Von den weltweit 130 Kuckucksarten legen knapp 60 ihre Eier ausschließlich in fremde Nester, darunter der Europäische Kuckuck. Zu den Gegenmaßnahmen der Wirtsvögel gehört das Diskriminieren fremder Eier. Kuckuckseier haben sich jedoch in Form und Farbe an die ihrer Lieblingswirte angepasst. Manche Kuckucke kontrollieren sogar, ob sich die Betrogenen wehren: Andalusische Häherkuckucke zerstörten ganze Elsternnester, als sie ihre dort abgelegten Eier nicht wiederfanden. Selbst Ornithologen sprechen von „Mafiamethoden“. Ob die Vögel langfristig damit Erfolg haben? Weiß der Kuckuck! Thomas de Padova

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