AhA : Warum leiden öfter Frauen an Krampfadern?

Thomas de Padova

Im Sommer zeigten die Frauen wieder Bein. Manchmal bis zu den Füßen gebräunt, oft glatt und rasiert. Nur hier und da kam etwas Unerwünschtes zum Vorschein: kleine, sich verzweigende Blutgefäße. „Ist doch alles halb so …“ – „Ihr habt gut reden! Ihr Männer habt damit ja keine Probleme!“

Tatsächlich klagen nur wenige Männer über Besenreiser und Krampfadern. Das zeugt vor allem von einer gewissen Nachlässigkeit. Männer laufen nicht in dem Bewusstsein am Strand entlang, ihre Beine zur Schau zu stellen. Dabei haben auch sie keinen leichten Stand. Beim Wechsel vom Liegen zum Stehen sackt etwa ein halber Liter Blut in die Beine. Während der Druck in Kopf- und Halsvenen sinkt, steigt er in den Beinvenen an. Eine körperhohe Flüssigkeitssäule lastet auf den Gefäßen, weshalb die Venen an den Füßen stärker sein müssen als an den Händen. Sie haben dickere Wände.

Damit das Blut entgegen der Schwerkraft den Weg zum Herzen zurücklegen kann, haben die Venen Klappen. Ihre jeweils zwei Segel öffnen und schließen sich. Solange sie gut arbeiten, verhindern sie den Rückstrom des Bluts. Bei einer erblich bedingten Venenschwäche können die Klappen jedoch undicht werden; bei langem Stehen und Sitzen fehlt ihnen die muskuläre Unterstützung. Statt von den Venen in tiefere Blutgefäße und von dort aus zum Herzen zurückzufließen, staut sich das Blut. Die Venenwände werden überdehnt, die Gefäße sacken aus.

Krampfadern verursachen meist keine Beschwerden. „Frauen und Männer sind etwa gleich oft davon betroffen“, sagt Felizitas Pannier-Fischer von der dermatologischen Uniklinik Bonn. Nur zwischen Mitte 30 und Anfang 50 treten Venenleiden bei Frauen häufiger auf. „Eine Ursache dafür könnten Schwangerschaften sein.“ Die vermehrte Ausschüttung von Östrogenen macht das Bindegewebe weicher. Auch die Venen sind dann weniger elastisch, erweitern sich eher und werden stellenweise als spinnenförmige Netze oder als knotige Krampfadern sichtbar. Bewegung und Wechselduschen können helfen. Thomas de Padova

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