AhA : Warum löscht Meerwasser den Durst nicht?

27.08.2008 00:00 UhrVon Thomas de Padova

Seevögel trinken Meerwasser. Es ist zwar drei bis vier Mal so salzig wie ihr Blut, aber mithilfe von speziellen Drüsen können sie das überschüssige Salz entfernen. Wären wir ähnlich ausgestattet, wären alle Wasserprobleme der Menschheit gelöst.

Seevögel trinken Meerwasser. Es ist zwar drei bis vier Mal so salzig wie ihr Blut, aber mithilfe von speziellen Drüsen in ihrem Schädel können sie das überschüssige Salz entfernen. Wären wir ähnlich ausgestattet, wären alle Wasserprobleme der Menschheit gelöst. Aber das Meerwasser bleibt für uns ungenießbar.

Die Salzkonzentration im Meer kann bis zu 39 Gramm je Liter erreichen, die unseres Blutes hingegen liegt bei etwa neun Gramm pro Liter. Unser Körper reguliert den Salzhaushalt mithilfe der Nieren. Sie bestehen aus unzähligen Kapseln und kleinen Blutgefäßen und sind stärker durchblutet als jedes andere Organ. Auf dem Weg durch dieses Mikrofiltriersystem wird das Blut gereinigt, wertvolle Bestandteile werden zurückgewonnen.

So enthält der Harn in der Regel weder Fette, Eiweiße noch Zucker. Auch der größte Teil des Wassers wird zurückbehalten.

Allerdings können die Nieren keinen beliebig stark konzentrierten Urin erzeugen. Je mehr Salz wir aufnehmen, umso mehr Wasser ist nötig, um dieses auszuschwemmen. Deshalb haben wir nach einem salzigen Essen auch mehr Durst.

Schiffbrüchige, die einen Liter Meerwasser trinken, brauchen ungefähr eindreiviertel Liter Süßwasser, um das überschüssige Salz zu eliminieren. „Um das Salz wieder loszuwerden, greift ihr Körper auf die Wasserreserven in den Zellen zurück“, sagt Ulrich van Laak vom Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine in Kronshagen bei Kiel. Der so erlittene Wasserverlust schadet den Zellen, am schnellsten denen des zentralen Nervensystems. „Die Betroffenen werden unruhig, fangen an zu halluzinieren und fallen ins Koma“, sagt der Mediziner.

Auf offenem Meer umhertreibend, ist die Versuchung sehr groß, dem Durstgefühl nachzugeben. Doch es ist besser, auf Regen zu warten, Tau einzusammeln oder fliegende Fische. Das ist kein Scherz. Auf hoher See landet ab und an ein Fisch auf dem Deck eines Bootes. Wenn man ihn ausquetscht, kommt eine Menge Körperflüssigkeit heraus – erstaunlicherweise Süßwasser. Obwohl Fische im Meer leben, enthält auch ihr Blut nur neun Gramm Salz je Liter. Das verdanken sie ihren Kiemen, die wie kleine Meerwasserentsalzungsanlagen funktionieren. Thomas de Padova

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