AhA : Warum machen Querstreifen dick?

Thomas de Padova

„Da müssen Sie Obelix fragen“, antwortet die Expertin für visuelle Informationsverarbeitung. Ein Wahrnehmungspsychologe derselben Universität kommt ebenfalls ohne Umschweife auf die blau-weißen Hosen des Galliers zu sprechen, der sich den Stoff für seine Kleidung frei nach der Devise „Längsgestreift macht schlank“ aussuchte. Stimmt das? „Ein schönes Thema für eine Diplom- oder Masterarbeit“, sagt der Leiter eines Instituts für kognitive Psychologie und versichert mir, bisher gebe es dazu keine verlässlichen Studien.

Immerhin bringt der Streifzug durch die Forschung ans Licht, dass wir Quer- und Längsstreifen unterschiedlich wahrnehmen. In unserem Gesichtsfeld ist die Sehschärfe in horizontaler Richtung größer als in vertikaler. „Auch sind Blickbewegungen nach rechts und links weit häufiger und erfolgen mit weiteren Amplituden als Blickbewegungen nach unten oder gar oben“, sagt Jochen Müsseler, Kognitionspsychologe an der RWTH Aachen.

All dies führt zu unbewussten Korrekturen der Wahrnehmung. Eine Folge davon: Wir überschätzen vertikale Strecken, Fachleute sprechen von „Horizontal-vertikal-Täuschung“. Versuchen Sie einmal, ein Quadrat auf ein Blatt Papier zu zeichnen. Beim Nachmessen stellen die meisten Probanden fest, dass die senkrechten Linien zu kurz geraten sind.

„Ein längsgestreifter Pullover könnte deswegen bei gleicher Breite schlanker machen als ein quergestreifter Pullover, weil die Längsstreifen seinen Träger länger erscheinen lassen oder zumindest die Proportionen seines Rumpfes verändern“, sagt Müsseler. Der Nadelstreifenanzug ist ein schönes Beispiel dafür. Bodybuilder dagegen tragen gerne T-Shirts mit einem Schriftzug auf der Brust. Folgt man der Schrift von links nach rechts, entsteht der Eindruck eines breiten Brustkorbs.

Die Mode spielt allerdings mit vielen optischen Effekten: etwa der Müller-Lyer-Täuschung bei der Nahtführung von Kleidern, um einen Körper länger oder kürzer erscheinen zu lassen, oder Farbgebungen, die die Taille schlanker und das Dekolleté größer machen. Letztlich hängt es vom Zuschnitt, den Farben und der Streifenbreite ab, ob Längs- oder Querstreifen den Körper strecken oder verbreitern. Sehr breite Streifen etwa teilen ein Kleidungsstück in verschiedene Partien auf und können so von Problemzonen ablenken. Thomas de Padova

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