AhA : Warum misst der Arzt zwei Blutdruckwerte?

Thomas des Padova

Manche Menschen suchen ihren Puls vergeblich. Sie haben keinen. Ihr Kunstherz, eine kleine Turbine, pumpt das Blut kontinuierlich durch den Körper. Anfangs gab es Bedenken, ob sich die Organe darauf einstellen würden. Heute weiß man: Ein Leben ohne Pulsschlag ist möglich.

Das gewöhnliche Leben aber ist kein gleichmäßiger Fluss. Es besteht aus Wachen und Schlafen, Ein- und Ausatmen sowie aus Systole und Diastole, die mit einer Manschette am Arm gemessen werden. Der Oberarm eignet sich gut für Blutdruckmessungen. Denn seine Arterien liegen nah am Herzen, zu dem es keinen direkten Zugang gibt.

Das Herz schlägt in Ruhe 60- bis 80- mal pro Minute. Jedes Mal kontrahiert der Herzmuskel, zieht die Kammern zusammen und drückt das Blut in Lungenarterien und die Aorta, die Hauptschlagader. So hält es zwei Kreisläufe in Gang: den der Lungen, der unser Blut mit Sauerstoff anreichert, und den des Körpers, der die Organe versorgt.

„Immer wenn das Herz pumpt, kommt es zum Druckanstieg“, erläutert Gilbert Schönfelder vom Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Berliner Charité. „Das ist die Systole.“ Der obere, systolische Wert gibt dem Arzt Hinweise auf die Kraft des Herzmuskels und den Zustand des Gefäßsystems.

Arterien haben dicke, elastische Wände. Die Aorta wird regelrecht aufgeblasen. „Je elastischer die Blutgefäße sind, umso geringer sind die Blutdruckspitzen.“ Und je älter man wird, umso steifer werden die Arterien. Das wiederum lässt den Blutdruck steigen.

Von der Aorta aus wandert die Druckwelle durch den Körper. Während sich die Blutgefäße verästeln, sinkt der Blutdruck. Der untere, diastolische Blutdruckwert zeigt an, wie hoch der Blutdruck in der Diastole ist, der Pause zwischen den Herzschlägen. Er ist ein Ausdruck dafür, wie viel Widerstand das Gefäßsystem dem Herz entgegensetzt – und damit von großer medizinischer Bedeutung. Denn ein hoher diastolischer Blutdruck verlangt dem Herz viel ab, setzt es buchstäblich unter Druck. Deshalb ist ein zu hoher diastolischer mindestens so bedenklich wie ein zu hoher systolischer Wert. Thomas des Padova

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