AhA : Warum müffelt Achselschweiß?

Thomas de Padova

Schnell sind wir auf zwei Beinen nicht. Aber ausdauernd. Bei einer längeren Jagd können Buschmänner Raubkatzen stellen. Dabei kommt ihnen die geringe Körperbehaarung zupass. Seit der Mensch das Fell abgelegt hat, kann er die von den Muskeln erzeugte Wärme rascher abgeben.

Der Schweiß schafft sie fort. Wenn er auf der Haut verdunstet, machen sich Wassermoleküle auf den Weg, die dem Körper Energie entziehen. Die natürliche Klimaanlage hilft vor allem Sportlern. Wer gut trainiert ist, schwitzt früher und sondert mehr Schweiß ab – Spitzensportler zwei bis drei Liter pro Stunde.

„Besonders stark schwitzen wir im Gesicht, auf Brust und Oberarmen“, sagt Carsten Niemitz, Humanbiologe und Anthropologe an der FU Berlin. Schweißdrüsen sitzen dort dicht beisammen. „Die oberen Körperregionen sind auch dem Wind stärker ausgesetzt.“ Jeder Luftzug führt Wärme ab und beschleunigt die Verdunstung. So bewahren wir mit Schweiß auf der Stirn kühlen Kopf.

Unter den Achseln ist die Schweißproduktion mit weniger als einem Prozent der täglichen Ausdünstungen nicht gerade hoch. Trotzdem finden sich ungeliebte Schweißflecken auf der Kleidung oft in Achselhöhe. Das liegt an der eingeklemmten Lage, aus der Schweiß nicht so leicht verfliegt. Stattdessen nehmen ihn die Achselhaare auf und schaffen bei Hitze ein feuchtes Milieu, in dem sich Bakterien ausgezeichnet vermehren.

Ähnlich wie in der Schamgegend, werden unter den Achseln mit Beginn der Pubertät neben herkömmlichen Schweißdrüsen größere, apokrine Drüsen aktiv. Sie bescheren uns Schweißausbrüche bei Stress, Angst oder sexueller Erregung, scheiden Fett und Eiweißstoffe aus, von denen sich die für jedermann unterschiedliche Bakterienflora ernährt.

Schweiß ist zwar zunächst geruchlos, aber unter den Achseln verwandeln ihn die Mikroben in stechend riechende chemische Verbindungen. An heißen Tagen machen sie durch den säuerlich-käsigen Geruch von Isovaleriansäure auf sich aufmerksam. Dagegen haben die Abbauprodukte des männlichen Sexualhormons Testosteron eine Moschusnote.

Überhaupt riecht männlicher Achselschweiß, hormonell bedingt, meist strenger als der von Frauen. Die persönliche Duftnote kann anziehend wirken. „Man nimmt sie gut wahr, weil die Achseln in Höhe der Nase liegen“, sagt Niemitz. In einer von Deostiften überrollten Gesellschaft gibt es allerdings nur noch wenig zu schnuppern. Thomas de Padova

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