AHA : Warum muss man beim Baden öfter zur Toilette?

Thomas de Padova

Sextanerblase. Es klingt so, als wären es nur Kinder, die im Schwimmbecken gelegentlich Wasser lassen und damit die Qualität des Badewassers merklich verschlechtern. Denn die Harnstoffe werden dort zu Chloraminen und anderen chemischen Substanzen umgewandelt, die nicht nur übel riechen, sondern auch Augen und Schleimhäute reizen. Doch nicht nur die Kleinen haben im Wasser ein Blasenproblem. Unter den Tätern sind viele Erwachsene. Auch sie müssen beim Schwimmen öfter zur Toilette als wenn sie sich an Land aufhalten.

Das Problem beginnt mit dem Einstieg ins Wasser. Die Blutzirkulation in unserem Körper ist an die Landbedingungen angepasst, wo sich aufgrund der Schwerkraft tendenziell mehr Blut in den Beinen sammelt. Im Wasser dagegen erfährt der Körper zusätzlich zur Schwerkraft eine nach oben gerichtete Auftriebskraft, das Gewicht verringert sich scheinbar. Deshalb können wir schwimmen. Es kommt aber auch zu einer Umverteilung des Blutes: Aus den Beinen gelangt es in die obere Körperhälfte.

Bei einem längeren Aufenthalt im Wasser beginnt man außerdem zu frieren – am See oder im Meer noch schneller als im wärmeren Schwimmbad. Der Körper versucht dann, den Wärmeverlust für die inneren Organe zu vermindern, indem er die Blutgefäße an Armen und Beinen verengt. Sie können dann weniger Blut fassen. In diesem Fall wird die überschüssige Flüssigkeit zum Brustkorb und zum Herzen transportiert.

„Dem Regelsystem unseres Körpers wird auf diese Weise vorgegaukelt, dass wir ein zu hohes Blutvolumen haben“, sagt Claus-Martin Muth, Experte für Tauchmedizin und Oberarzt der Anästhesiologie an der Uniklinik Ulm. Das Blutvolumen wird ständig überwacht, und zwar von Rezeptoren, die vor allem in den Wänden der Herzvorhöfe sitzen. „Registrieren sie zu viel Blut, wird die Niere alarmiert, Flüssigkeit auszuscheiden.“ Zeit für eine Pinkelpause.

Bei Tauchern verschärfe sich die Situation manchmal durch einen eng anliegenden Neoprenanzug sowie eine leichte Schräglage mit dem Kopf nach unten und den Füßen nach oben, sagt Muth. Beides erhöhe die Blutmenge im Brustkorb. Der stärkere Harndrang gehört daher zum Tauchen wie viele andere Unterwassererlebnisse. Wegen der Wärme des ausströmenden Urins ist die diskrete Verrichtung auch als „Taucherheizung“ bekannt.

Das Schwimmbecken ist aber kein Meer, in dem sich der Harn schnell verflüchtigt. In den Freibädern gibt es für solche Bedürfnisse deshalb ein gesondertes Örtchen. Sonst hört der Spaß irgendwann auf.

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