AhA : Warum sammeln sich Flusen im Bauchnabel?

Der klassische Bauchnabel bildet einen Trichter - ein wahres Flusengrab.

Thomas de Padova

Neun Monate lang stellt die Nabelschnur die Rundumversorgung sicher. Wie eine Pipeline verbindet sie den Fötus über den Mutterkuchen mit dem Blutkreislauf der Mutter. Kaum aber hat das Kind den Geburtskanal verlassen, bricht der Nachschubweg ab, die Nabelschnur hört auf zu pulsieren.

Die Abnabelung erfolgt schnell. Nach Durchtrennen der Schnur erinnert ein kurzes Endstück noch ein paar Tage an die einstige Direktverbindung. Doch auch das vertrocknet und fällt ab. Zurück bleibt eine kleine Narbe: der Bauchnabel.

Während der Fötus im Mutterleib heranwächst, ist seine Bauchdecke zunächst offen. Erst wenn sich der Darm mehrfach gewunden hat, wächst sie zu. Wo die Nabelschnur austritt, bleibt eine Lücke. Dieser Nabelring ist manchmal recht weit, so dass er sich nach der Geburt nur langsam verengt. Dann kann sich das Bauchfell durch den Ring nach außen stülpen: Der Nabel steht vor wie ein Knopf.„In der Regel muss man das nicht operieren“, sagt Felix Schier, Leiter der Kinderchirurgie der Uniklinik Mainz. Meist „zieht sich der Bauchnabel immer weiter nach innen zurück.“ Bis zum vierten oder fünften Lebensjahr verwächst das Nabelgewebe.

Der klassische Bauchnabel bildet einen Trichter. Bei dicken Bäuchen ist das Loch besonders tief. Es wird leicht zur Sammelgrube für Schweiß und Fusselkram. Das liegt daran, dass sich Gewebe aus der Kleidung löst. Äußerlich kann sich dies durch Möppchen und Wollmäuse zeigen, die nur noch mit einer Ankerfaser am Pullover hängen. Durch Reibung am Körper löst sich manches Gewebe auch von innen auf, etwa Feinripp-Unterhemden, die von männlicher Brustbehaarung aufgeschubbert werden. Der Abrieb folgt der Schwerkraft, wandert zum Nabel und verschwindet im feuchten Flusengrab. Bei manchem Patienten soll sich die Wolle schon zu regelrechten „Nabelsteinen“ verdichtet haben, die auch mit Gewalt kaum zu entfernen waren, berichten Krankenschwestern im Internet. Thomas de Padova

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