AhA : Warum schäumt Rasierseife?

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Zuerst ist es nur ein zarter Flaum auf der Oberlippe. Von dort aus breitet sich der Bartwuchs über Unterlippe und Wangen in Richtung Kinn fort. Während die Produktion von Testosteron weiter steigt, wachsen die Haare schließlich um bis zu 0,3 Millimeter pro Tag. Aus dem Stolz der Männlichkeit wird eine Herausforderung: Der junge Mann muss investieren.

Für den Rasierapparat sprechen Schnelligkeit und Mobilität, für den Dachshaarpinsel Gründlichkeit und Hygiene. Bei einer zu erwartenden Lebensnassrasurzeit von gut 2000 Stunden will die Entscheidung wohl überlegt sein. Abgesehen von Effizienz und Technologiefreundlichkeit hängt der Kurswert des Mannes aber auch von anderen Faktoren ab. Immerhin ist die Nassrasur einer der wenigen Momente am Tag, an denen selbst Testosteronrabauken liebevoll mit sich umgehen.

Zunächst muss der Rasierschaum angerührt werden. Früher geschah dies in einer ovalen Porzellanschüssel. In der vorderen, flachen Mulde befand sich die Seife, in der hinteren Wasser. Wie beim Schlagen eines Eis fuhr der Pinsel vor und zurück.

„Bei Eischnee und Rasierseife wird auf diese Weise Luft untergemischt“, erläutert Annette Geuther, geschäftsführende Direktorin am Institut für Didaktik der Chemie der Uni Gießen. „Diese Luft bleibt in der Emulsion eingeschlossen.“ Die Seife hindert sie daran, sich wieder zu verflüchtigen. Denn Seifenmoleküle bilden auf Wasser einen dünnen Film.

Die einzelnen Moleküle sehen wie Stecknadeln aus. „Sie setzen sich auf die Wasseroberfläche mit den Köpfen nach unten. Die Schwänzchen dagegen stehen in die Höh’.“ Sie stoßen Wasser ab, lieben jedoch Fett und hüllen Schmutz ein. Rasierseife reinigt.

Doch zurück zu den untergemischten Luftbläschen: Steigen sie auf, geschieht dasselbe, was Kinder mit Seifenblasen erleben: Beim Pusten reißt die Luft den Film mit. So entstehen winzige Rasierseifenblasen und aus vielen Blasen Schaum.

Spraydosen funktionieren nach demselben Prinzip. Sie enthalten neben seifenartigen Substanzen Treibgas. „Sobald dieses Gas expandiert, kommt Rasierschaum heraus.“ Es geht auch ganz ohne Schaumschlägerei.

Der Schaum weicht Haut und Barthaare ein, so dass die Klinge besser schneiden kann. Nassrasuren sind deshalb besonders gründlich und glatt. Mann muss sich dafür nur etwas mehr Zeit nehmen. Thomas de Padova

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