AhA : Warum schielen Tiere?

14.06.2011 19:52 Uhrvon
Foto: picture alliance / dpa

„Es ist träge, faul, schlafsüchtig und erscheint abschreckend dumm.“ Wegen des Schadens, den es unter Hühnern anrichte, werde das Opossum überall gehasst. Selbst das Wildbret des Tieres sei ungenießbar, so Alfred Brehm, der kein gutes Haar am Opossum ließ. Derzeit aber ist Deutschland vernarrt in ein Wesen dieser Art: Heidi, das schielende Opossum aus dem Leipziger Zoo.

Das Tier mit dem weißen Kopf und den Knopfaugen stammt ursprünglich aus North Carolina. Es wurde als Findelkind in einer Wildtierstation aufgezogen. Und obschon Heidi zu den nachtaktiven, scheuen Beuteltieren zählt, ist sie heute weltberühmt. Selbst Hollywood spricht von ihr.

Der Clou: Vermutlich schielt sie gar nicht.

Man kennt den Silberblick von Babys und Welpen. Er ist meist harmlos und gilt mitunter als süß. Die sieben Muskeln, die jedes Auge bewegen, müssen ihr Zusammenspiel eben noch lernen. „Bei Welpen oder jungen Hunden hat sich das Schielen normalerweise nach einem halben Jahr ausgewachsen“, sagt Corinna Eule, Tierärztin an der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der FU Berlin.

Eine Behandlung bei Kindern ist angeraten, wenn ein Auge dauerhaft von der Blickrichtung abweicht. Denn meist unterdrückt das Gehirn den Sinneseindruck des schielenden Auges, um Unschärfen oder Doppelbilder zu vermeiden. Das kann zu lebenslanger Sehschwäche führen.

Schielen kann ererbt sein. Bei Siamkatzen ist es daher verbreitet. Andere Ursachen bei Tieren sind Autoimmunerkrankungen oder Verletzungen der Augenmuskeln. Für Jagdhunde oder Falken ist Schielen ein ernstes Problem. Eulen dagegen jagen nach Gehör, ein Opossum geht schnuppernd auf Nahrungssuche. Es leidet kaum unter einer Augenfehlstellung. „Es muss ja keine Zeitung lesen.“

Bei Heidi wäre eine Operation ohnehin unsinnig. „Das Opossum schielt vermutlich gar nicht“, sagt Corinna Eule. „Ihr quillt nur das Fett neben den Augen aus den Augenhöhlen hervor.“ Heidi-Fans erlägen einer optischen Täuschung. Das Tier hätte eine Stoffwechselstörung und auch in den Augenhöhlen schlicht zu viel Fett. „Das Weiße, das sich nahe dem Auge aus den Augenhöhlen schiebt, ist Körperfett.“ Es bilde um die Augäpfel herum halbmondförmige Fettwülste. Thomas de Padova

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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