AhA : Warum sind Flamingos rosa?

Männliche Amseln sind dunkle Typen, aber sie tragen das ganze Jahr über eine markante Schnabelfarbe.

Thomas de Padova

Männliche Amseln sind dunkle Typen, aber sie tragen das ganze Jahr über eine markante Schnabelfarbe. Die entsprechenden Farbstoffe, die Carotinoide, nehmen sie mit der Nahrung auf. Stehen sie gut im Futter, haben sie ein tief orangefarbenes Maul. Damit kommen die Männchen bei den Weibchen gut an und stechen ihre blassen, gelbschnabeligen Rivalen aus.

Carotinoide gibt es in hunderten verschiedenen Varianten, die Farbpalette erstreckt sich von Gelb über das Rosarot der Flamingos bis Purpur. Sie werden ausschließlich von Pflanzen hergestellt, denn Carotinoide sind wichtig für die Fotosynthese. So enthalten etwa Aprikosen oder Orangen sichtlich viel Betacarotin, noch mehr davon findet man in Karotten oder Kürbissen – aber auch in Brokkoli, bei dem die entsprechenden Farbtöne durch das grüne Chlorophyll überdeckt werden.

Betacarotin ist sehr gesund. Es bindet freie Sauerstoffradikale und macht krebserregende Stoffe unschädlich. „Enthält die Haut viel Betacarotin, ist sie besser gegen Sonnenstrahlung geschützt“, sagt Bernhard Watzl, Ernährungswissenschaftler am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. Sie rötet sich dann nicht so schnell. „Wenn Kleinkinder regelmäßig pürierte Karotten essen und Karottensaft trinken, bekommen sie auffällig gefärbte Wangen“, sagt Watzl. Auch bei Erwachsenen lagert sich Betacarotin in der Haut ein, färbt Handinnenflächen und Gesicht.

Doch wer Flamingos mit Karotten füttert – in Zoos hat man es tatsächlich versucht –, wartet vergeblich auf ein rosenrotes Gefieder. Der Karibische Rosaflamingo und verwandte Arten schillern in kräftigen Farben, weil sie spezielle Carotinoide in hoch konzentrierter Form aufnehmen, zum Beispiel über Krebse, die sich ihrerseits von Algen ernähren. Algen der Gattung Dunaliella sind äußerst farbstoffreich. Bleibt dieses Futter aus, verlieren die Vögel mit der nächsten Mauser ihre Farbenpracht und sind dann auch nicht mehr so gut gegen Infektionskrankheiten geschützt.

Die Schönfärberei der Flamingos beginnt allerdings erst im reiferen Alter. Jungvögel haben zunächst einen grauen Flaum. Mama und Papa Flamingo füttern ihren Sprössling mit einer Art Milch, die viele Carotinoide enthält. Es dauert Jahre, ehe sich das graue Gefieder rosa oder orange färbt. Ähnlich wie bei den Amseln ist auch für Flamingos das äußere Erscheinungsbild entscheidend fürs Überleben: Ohne die rechte Federnfarbe kommen sie bei potenziellen Partnern nicht an, und es gibt keinen Nachwuchs. Thomas de Padova

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