AhA : Warum sind Frischhaltefolien klebrig?

Folie klebt am besten an – Folie. Und an glatten Oberflächen. Ursächlich sind die Van-der-Waals-Kräfte.

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Was wäre wohl aus uns Hominiden ohne das Greifrepertoire unserer Hände geworden? Schon der Urmensch „Lucy“ hielt Steine im Zangengriff oder zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger, ihre Nachfahren benutzten Faustkeil und Axt, ich selbst übe meine Fingerfertigkeit mit Handy und Gitarre. Beim Hantieren mit Frischhaltefolie aber bin auch ich mit meiner Kunst am Ende.

Dabei hat die Verpackung im Laufe der Evolution kleine Zähne bekommen, über denen man die gestraffte Folie abreißen kann. Dehnbar wie sie ist, reißt sie jedoch erst unter ungehörigem Kraftaufwand. Der Kunststoff löst sich in anschmiegsamen Fetzen von der Rolle, flattert um die Finger und wickelt sich im Handumdrehen um sie herum.

Folie klebt am besten an – Folie. Aber auch an glatten Oberflächen wie Glasschüsseln oder Porzellantellern. Ursächlich dafür sind Kräfte, die sich erst bemerkbar machen, wenn die Kunststoffmoleküle anderen Teilchen nahe genug kommen. „Van-der-Waals-Kräfte sind nur über sehr kleine Distanzen wirksam“, sagt Rüdiger Bräuning vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie in Pfinztal.

Die Van-der-Waals-Kräfte beruhen auf Schwankungen der elektrischen Ladungsverteilung. „Die Elektronen in den Molekülen schwingen hin und her.“ Sie sind ständig in Bewegung. Mit ihnen verschiebt sich der Schwerpunkt der negativen Ladung. „Kurzzeitig kommt es zu einem Ladungsungleichgewicht“, sagt der Kunststoffexperte. Die Moleküle wirken wie elektrische Dipole, nach denen sich Nachbarmoleküle zeitweilig ausrichten: Sie ziehen sich gegenseitig an, ihre Ladungsverschiebung synchronisiert sich.

Doch nur wenn die Kräfte sehr vieler solcher Moleküle zusammenwirken, kommt es zum Klebeeffekt. An rauem Plastik haftet Folie schlecht. Sie muss die Oberfläche an möglichst vielen Punkten berühren können. Zieht man sie vom Rand her ab, lösen sich die Bindungen leicht wieder.

Frischhaltefolie wird aus einem Granulat hergestellt. Die Körnchen werden geschmolzen, beim Austritt durch eine Düse bläst Luft den Kunststoff wie einen Heißluftballon auf. So entsteht ein nur etwa ein hundertstelmillimeter dünner, geschmeidiger Film. Er ist vier Mal dünner als ein Haar.

Was zur Klebrigkeit der Folie beiträgt: Zieht man sie von der Oberfläche ab, kann sie sich elektrostatisch aufladen, weil die beiden Materialien Elektronen miteinander austauschen. Nach einer solchen Ladungstrennung wirkt Frischhaltefolie schon auf Abstand anziehend. Und ist kaum mehr zu zähmen. Thomas de Padova

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