AhA : Warum spuckt der Taucher in die Brille?

Thomas de Padova

Es klingt wie ein Scherz, dass ein bisschen Spucke auf der Brille die Sicht verbessern soll. Doch der Speichel hilft tatsächlich. Er verhindert, dass die Tauchermaske beschlägt. Das Wichtigste an ihr ist der Luftraum vor dem Auge. Ohne ihn büßen wir unsere Sehschärfe ein.

Wer ohne Brille mit offenen Augen taucht, sieht alles verschwommen. Im Wasser breitet sich Licht anders aus als in der Luft. Beim Übergang von einem Medium ins nächste ändern sich die Geschwindigkeit wie auch die Richtung der Lichtstrahlen: Sie werden gebrochen.

In Wasser verringert sich die Lichtgeschwindigkeit gegenüber Luft um den Faktor 1,3. Unser Auge macht sich dies zunutze. Die Lichtstrahlen kommen beim Übertritt von der Luft zur Hornhaut stark vom ursprünglichen Kurs ab. Die Hornhaut hat eine größere Brechkraft als die eigentliche Augenlinse. Zusammen mit ihr fokussiert sie das Licht auf die Netzhaut. Dem Taucher fehlt der nötige „Knick in der Optik“. Er empfängt das Licht nicht aus der Luft, sondern aus dem Wasser, das sich kaum vom wässrigen Hornhautgewebe unterscheidet.

„Beim Eintauchen der Augen in Wasser wird die Brechkraft der Hornhautvorderfläche von circa plus 43 Dioptrien aufgehoben“, sagt Dieter Schnell vom Berufsverband der deutschen Augenärzte. Fischen nützt eine Hornhaut zum Scharfsehen daher wenig. Sie haben eine umso stärkere kugelige und verschiebbare Linse. Taucher dagegen sind auf eine Sehhilfe angewiesen. „Um scharf zu sehen, muss man entweder eine extreme Pluslinse als Korrektur vorsetzen oder einen luftgefüllten Raum.“

Letzteren bietet die Tauchermaske. Ihr Nachteil: Sie beschlägt leicht. Auf der kalten Frontscheibe setzt sich die Feuchtigkeit von unserer Haut ab. Sie kondensiert zu fein verteilten Wassertröpfchen und behindert die Sicht.

Taucher spucken daher in die Brille, verreiben den Speichel und spülen die Maske vor dem Aufsetzen kurz mit Wasser aus. Spucke enthält Proteine. Sie sind kaum wasserlöslich und bleiben an der Scheibe haften. Die Glykoproteine senken zudem – ähnlich wie Spülmittel – die Oberflächenspannung des Wassers, so dass dieses keine Tröpfchen mehr bilden kann, sondern allenfalls einen dünnen Wasserfilm. Thomas de Padova

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