AhA : Warum steckt nur ein Wurm in der Kirsche?

Kirschen gegessen, Wasser getrunken, Bauchweh bekommen. Ist da was dran? Wurmkontrolle kann nicht schaden.

Thomas de Padova

Krümmt sich der Wurm in der Kirsche deshalb so? Oder kämpft das augenlose Geschöpf um seine nackte Existenz, nachdem die ersten Sonnenstrahlen seinen empfindlichen Körper berührt haben?

Ich gehöre zu denjenigen, die Kirschen nicht ohne Wurmkontrolle in den Mund stecken. Wem sich schon als Kind beim Einkochen von Marmelade aus jeder fünften Kirsche ein kleiner nackter Körper schamlos entgegengereckt hat, der kann nicht mehr unbesehen genießen. Es gibt Bilder, die vergisst man nicht.

Der Wurm beansprucht die Kirsche für sich allein. Die Claims sind abgesteckt, noch ehe er sein süßes Paradies wirklich kennengelernt hat. Dafür hat die Mutter gesorgt. Die Kirschfruchtfliege zählt zu den Bohrfliegen. An ihrem Hinterleib hat sie einen Legebohrer, den sie bei Bedarf ausstülpt. Etwa ab Mitte Mai, wenn die Farbe der Kirschen von grün nach gelb umschlägt, wird die Fliege aktiv. Sie sucht die Früchte auf, durchbohrt deren Haut und legt ihre Eier ab: etwa 200 Stück, je eins pro Kirsche.

„Die weibliche Fliege markiert jede Kirsche mit einem Pheromon“, sagt Kirsten Köppler, Biologin am Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau des Julius-Kühn-Instituts in Dossenheim. Dieser chemische Duftstoff ist ein Signal für alle anderen Weibchen. „Die Kirsche gilt nun als belegt.“

Nach acht bis zehn Tagen schlüpft eine Made aus dem Ei. Sie braucht sich das Fruchtfleisch nicht mit anderen hungrigen Mäulern zu teilen, sondern hat nun drei bis Wochen Zeit, sich durch die verschiedenen Larvenstadien zu fressen. Dann verlässt sie die Kirsche wohlgenährt, lässt sich zu Boden fallen und verbringt den Winter über verpuppt und bewegungslos im Boden. Erst im nächsten Frühjahr drängt sie als Fliege ans Licht. Und zu den Kirschen.

Der Duftstoff, mit dem die Fliegen die Kirschen markieren, sei nicht sehr beständig, sagt Kirsten Köppler. „So kommt es auch schon mal zu Mehrfachbelegungen einer Kirsche bei erhöhtem Befallsdruck.“ Zwei Maden in einer Kirsche – mir ist das noch nicht begegnet. Ein Wurm ist allerdings auch genug. Schon mit ihm ist nicht gut Kirschen essen. Thomas de Padova

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